Zu meinen Stories

Kurzgeschichten zu meinen MMO oder RP Charas.

 

#01 Pharlai

Rutae rutschte nervös auf ihrem Barhocker herum und zupfte sich zum wiederholten Mal den weiten Mantel zurecht. Ihr weites Halstuch, dass sie locker um den Hals trug war mittlerweile etwas zerknittert, doch sie hatte es aufgegeben, es richten zu wollen. Neugierig blickte sie mit ihren aufgeweckten, grünen Augen zu Rayle hinüber. Dieser hatte gerade keine Augen für die junge Lethan Twi'lek, denn er hatte seinen Blick auf den Eingang gerichtet. Die Luft in der Bar war stickig, ganz so als wäre die Lüftung seit langem schon defekt. Rutae rümpfte sich die Nase und langte zu ihrem Glas und nippte vorsichtig daran. Rayle hatte ihr ein mildes Ale bestellt, sie musste sich erst an den süßlichen Geschmack des Getränks gewöhnen. Er hatte ihr erklärt, dass sie die Umgebung im Auge behalten sollte, während er mit ihrem Kontakt sprechen würde. Rayle war der Meinung, dass ein Wasser oder ein Saft nicht an den Ort passen würde und sie damit möglicherweise auffälliger wäre. Die Twi'lek war davon nicht ganz überzeugt, hatte aber nichts dagegen gesagt.

 

Rutae blickte gerade wieder in Rayles Richtung, als dieser sich etwas aufrichtete und kaum merklich nickte. Sie schaute wie beiläufig an ihm vorbei und hielt nach einem Nikto Ausschau. Ihr Auftraggeber, Rash war Mitglied der Kajain'sa'Nikto, die am meisten verbreitete Unterart des Volkes. Ihre gelbliche Haut und die Stirnkämme verliehen den Nikto ein wildes, bei einigen einschüchterndes Aussehen. Ihr Kontakt, Rashs Aussehen verband eindeutig beides, seine etwas verwegene Kleidung mit einem Lederbandoleer bestärkten den Eindruck noch. Rutae war froh, dass sie sich aus dem Gespräch heraushalten sollte. Rayle hatte ihr versichert, dass sie nichts illegales tun würden, musste aber zugeben, dass sie es mit dem groben Typ von Auftraggebern zu tun hatten. Sie war sich sicher, dass Rayle hier und da mal wieder Details beschönigt hatte, doch in dem letzten halben Jahr, seid er sie zu seinem Crewmitglied gemacht hatte, hatte es keine Probleme gegeben. Er schien sehr darauf bedacht, dass ihr nichts passierte, Rutae glaubte sogar ein wenig väterliches Verhalten bei dem Mann entdeckt zu haben. Bei dem Gedanken musste sie schmunzeln.

 

Rashs raue, kratzige Stimme holte sie mit einem Brummen wieder in die Gegenwart. Er hatte sich mit Rayle an einen nahen Tisch gesetzt und beugte seinen Zeigefinger mehrmals, um der Twi'lek zu signalisieren, dass sie sich zu sich und Rayle gesellen sollte. Scheinbar hatte er sofort erkannt, dass sie zu Rayle gehörte, ihm war es Augenscheinlich nicht recht, wenn sie aus der Ferne Beobachtungen anstellte. Nach kurzem Zögern blickte sie gen Rayle und dieser nickte seufzend. Rutae rutschte vom Hocker und nahm sich ihr Glas Ale, marschierte mit eiligen Schritten an den Tisch und setzte sich neben Rayle. Kurz darauf brachte eine menschliche Bedienung in fast schon aufreizender Kleidung zwei Whiskey an den Tisch. Rash schien die Frau nicht zu beachten, während Rayle einen kurzen Blick auf deren Dekolleté, dass sich auf seiner Augenhöhe befand, wagte. Die Bedienung grinste nur keck und entfernte sich, um zwei Tische weiter eine Bestellung anzunehmen. Rash blickte Rayle und Rutae an. Er schien die beiden für einige Momente zu mustern. Der Nikto lehnte sich mit seinen Armen an den Tisch, das Getränk umgriff er mit der linken Hand, trank aber nichts davon.

"Nun, Rayle..." begann er und fixierte diesen mit seinem Blick. Rayle schien sich daran nicht zu stören, sondern nickte lediglich.

"Simple Aufgabe. Ich habe hier in meiner Bucht 'n paar kleinere Frachtcontainer, die ich normalerweise selbst transportiern' würd'. Leider liegt der Zielort ziemlich ab vom Schuss, ich hab' aber noch 'n paar andere Dinge zu erledigen. Bist' ja schon Mal für mich geflogn'. Ist langweiliges Zeug... Spiele zum zockn', Genußmittel und n' paar Rauschmittel. Nur der harmlose Kram, mach dir da kein' Kopp."

 

Rayle nickte, während der Nikto sprach, Rutae hörte nur zu. Sie wusste, dass Rayle es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nahm, es störte sie nicht. Sie hatte in der Vergangenheit selbst hier und da herum getrickst oder sich Dinge dauerhaft ausgeliehen, um die Medizin ihrer Mutter zu finanzieren. Sie war nich nicht lange bei Rayle, doch sie hatte schon bemerkt, dass er eine Art Beschützerinstinkt entwickelt hatte.

"Wo ist der Zielort denn, Rashboy?" wollte Rayle wissen, nachdem er einen Schluck getrunken hatte.

Rash verzog die Mundwinkel, es hatte etwas Ähnlichkeit, als würde ein Wolf die Lefzen hochziehen.

"Is' ne Forschungsstation... nennt sich Pharlei und ist da so am Rand vom Wilden Raum. Sagte ja, is' mir aktuell zu weit weg. Nimmste den Job an?" antwortete der Nikto und hob sein Glas an, als würde er trinken wollen, hielt aber in der Bewegung inne.

Rayle blickte kurz gen Rutae, dann zurück zu Rash, nickte dann.

"Klingt nach nem einfachem, ruhigen Job. Bezahlung wie das letzte Mal?" kommentierte Rayle.

"Letztes Mal war gefährlicher, musst mit einem Tacken weniger Leben, Kommste damit klar?" entgegnete Rash, hob eine Stirnwulst an.

Ralye zögerte einen Augenblick, hob die Schultern etwas, ließ diese dann aber wieder sinken.

"Auch okay, aber dann gehn die Drinks heut auf dich, Kumpel."

 

Rash schnaubte kurz, Rutae war sich nicht sicher, ob er entrüstet oder amüsiert war, tippte aber wohl auf letzteres. Rash stellte seinen Whiskey ungetrunken wieder ab und stand auf, dabei wurde sein Stuhl zurückgeschoben. Er legte einige Credits auf den Tisch.

"Wir sehn' uns in Bay3, schaffst es in ner Stunde?" fragte er, während er inne hielt.

Rayle nickte.

"Sicher."

Der Nikto nickte gen Rayle und bahnte sich seinen Weg aus den Räumlichkeiten.

"Outer Rim, puh, kein Wunder, dass die da Games brauchen, muss echt langweilig dort sein. Also wenn die nich gerade am Forschen sind. Frag mich, was das für ne Forschung ist, wenn sie so weit draussen am kalten Arsch der Galaxie betrieben wird." Rayle hob sein Glas an die Lippen und kippte sich die Hälfte in den Rachen, Rutae nahm nur einen Schluck ihres Getränks.

"Klingt nach ner einfachen Aufgabe. Dann hast du genug Zeit, mir mehr über das Schiff beizubringen. Ist doch gut so, oder?" Rutae stellte ihr Glas ab und schob es etwas von sich. Rayle nickte.

"Dann lass uns mal loslegen, Kleine." Der Mann stand auf und bot Rutae die Hand, damit sie sich unnötiger Weise an ihm hochziehen konnte. Dennoch tat sie dies. Sie schob ihren Stuhl an den Tisch heran, während Rayle seinen einfach stehen ließ, wie er war. Er warf noch einen prüfenden Blick auf die Credits, genau für die drei Getränke abgezählt. Er schnaubte. Rash kannte die Örtlichkeit und war sich über deren Preise wohl sehr im klaren. Rayle nahm eine zusätzliche Münze und legte diese als Trinkgeld dazu. Er winkte der Bedienung, schenkte ihr einen Anzüglichen Blick und deutete auf den Tisch. Danach verließ er mit Rutae im Schlepp die Kneipe.

"Du bist und bleibst ein alter Weiberheld, Rayle!" spottete Rutae, als sie an die frische Luft traten.

 

Rayle hatte Rutala schon zum Schiff geschickt, um den Start vorzubereiten. Er selbst kümmerte sich darum, Rashs Fracht auf die Calebyr zu bringen. Dabei wurde er von Ker und Nur unterstützt. Die beiden waren Mitarbeiter - Rayle bezeichnete sie eher als Handlager - von Rash. Normalerweise zierten sie sich, wenn Rayle die Ware, die er zu liefern hatte, noch einmal genauer inspizieren wollte, doch dieses Mal ließen sie ihn Schulterzuckend gewähren. Rayle runzelte die Stirn, als er mit dem linken Arm an den Kistenrand gestützt dastand, die rechte hielt den Deckel an. Der Inhalt dieser Kiste entsprach tatsächlich den genannten Dingen. Er ließ den Deckel wieder zu fallen.

"Na, ist ja fast zu schön um wahr zu sein, könnte ja echt mal ne ruhige Reise werden." kommentierte der Pilot und grinste Ker und Nur an. Diese nickten nur und hoben ihre Hände leicht zum Abschied.

"Man sieht sich, Rayle." brummte Nur zum Abschied.

Rayle straffte sich und sicherte die Kisten ein letztes mal, ehe er die Rampe schloss und sich mit einem kleinen Umweg über die Kombüse ins Cockpit aufmachte. Dort ließ er sich schwer in seinen Sitz fallen und holte die Kekspackung hervor, stopfte sich gleich zwei auf einmal in den Mund, während er sich zurück lehnte.

"Du wirst fett, Rayle!" kommentierte Rutae und erhielt einen fragenden Blick mit hochgezogener Augenbraue.

"Ja wirklich! Ich bin fast fertig, willst du kontrollieren, ob ich alles richtig gemacht habe?" entgegnete die Lethan, wie zur Bestätigung ihrer Worte starteten die Triebwerke, einige Tafeln der Kontrollkonsole leuchteten auf. Rayle neigte sich etwas vor und nickte.

"Dann hol mal ne Starterlaubnis, Kleine. Ich flieg uns dann raus." Er ließ seine Lehne etwas nach oben gehen, um etwas gerader zu sitzen.

 

Es dauerte zwei Minuten, bis Rutae jemanden dran bekam, der ihnen die Starterlaubnis erteilte und sie war froh, dass sie diesen schmuddeligen Ort endlich verlassen konnten. Überall zwielichtige Kerle, die sie entweder feindselig anstarrten oder sie fast schon sabbernd angafften. Angewidert schüttelte sie bei dem Gedanken den Kopf, während Rayle den Frachter in den Orbit steuerte. Er reichte Rutae ein kleines Pad.

"Frogrammirf maf die Roufe, Rufae!" sagte er, nachdem er sich wieder ein paar Kekse in den Mund geschoben hatte.

"Hä? Ab 3 Keksen wird es unverständlich..." beschwerte sie sich und nahm das Pad entgegen.

Sie hatte schon verstanden, was er gemeint hatte und rief die Koordinaten des Pads auf, um ihre Route zu programmieren.

"Das ist ja wirklich am Arsch der Galaxie... also so richtig da hinten und so... Wir werden ein paar mehr Sprünge als üblich haben... Na, dann kann ich weiter üben." quittierte sie das Ergebnis und reichte das Pad zurück.

"Jop, so schauts aus, Kleine." antwortete Rayle nun ohne Keksbehinderung.

"Leg mal los, ich mach ein Nickerchen."

"Was, ich soll alleine springen?" Rutae blickte ihn fragend an.

"Klar, Ru. Du hast es oft genug gemacht, du kannst das schon."

 

Mit diesem Worten drückte sich der Mann aus dem Sitz und verließ das Cockpit, ohne Ruate die Gelegenheit zu einer Antwort zu geben. Sie versteifte sich kurz, kletterte dann aber in den Pilotensitz und lächelte. Wenn, dann richtig. Sie rief sich den ersten Sprungpunkt auf die Steuerkonsole, legte die Hände an die Kontrollen und ließ das Schiff ohne Probleme in den Hyperraum übergehen. Sie beobachtete, wie die Sterne zu Streifen wurden und aktivierte den Autopiloten. Danach programmierte sie das Warnsystem, dass sie darauf hinweisen würde, wenn der Austritt aus dem Hyperraum anstand, um die Route zu wechseln.

 

Danach glitt sie aus dem Sitz und machte sich gähnend auf dem Weg in ihre Kabine. Dabei musste sie an Rayles Kabine vorbei und blieb kurz stehen, um die Türe dazu anzustarren. Als ihre Mutter vor einigen Monaten ihrer langen Krankheit erlegen war, stand Rutae alleine und ziellos da. Zuvor hatte sie immer alles getan, um die Medizin ihrer Mutter zu finanzieren. Zu sehen, wie die Medizin nicht mehr anschlug und Rhavanna immer schwächer wurde, hatte ihr sehr zugesetzt. Die ersten Wochen war sie ständig in Gedanken versunken, zur obersten Ebene auf Coruscant gewandert. Ihr Bruder Tah're war noch immer verschwunden und so langsam glaubte sie wirklich dem Gerücht, dass er entweder tief in irgendwelchen Bandengeschehen oder gar im Knast festhing. An ihren Vater dachte sie indes nicht, denn von dieser Person wollte sie nichts wissen. Mahv hatte ihre Mutter, die schon immer schwächlich und schutzbedürftig war, schon sehr früh verlassen. Er scherte sich nicht um sie oder die zwei kleinen Kinder, die Rutae und Tah're waren. So hatten die Kinder schon immer schwer darum kämpfen müssen, zu überleben, weil kein Geld da war. Rayle hatte sie am Raumhafen von Coruscant aufgegabelt und gründlich ausgefragt. Normalerweise reagierte Rutae auf solche Dinge sehr verschlossen und abweisend, doch er hatte es geschafft, dass sie ihm von alledem erzählte. Letztlich hatte er ihr einen Job als Copilot angeboten. Natürlich hatte die Twi'lek keinerlei Ahnung vom Fliegen gehabt, doch er hatte nur abgewunken und ihr erklärt, dass er ihr es beibringen würde. Seitdem war Rutae mehr als einmal aufgefallen, dass er irgendwie einen Vaterkomplex bei ihr entwickelte. Sie fragte sich, ob das einen tieferen Grund hatte und war sich inzwischen sicher, dass dem so war. Sie musste gähnen und wurde somit daran erinnert, wie müde sie war. So stapfte sie weiter in ihre Kabine und ließ sich auf ihr Bett fallen.

 

Die Tage verstrichen relativ ereignislos, für Rutae waren die Stunden, in denen Rayle mit ihr weiter die Schiffsfunktionen durchging, die interessantesten. Rutae befand sich gerade in der Kombüse, als Rayle sie über das Intercom zu sich ins Cockpit rief. Sie stopfte sich die Reste ihres Sandwiches zwischen die Backen und eilte los, denn sie wusste, dass sie nun das System, in dem sich die Station Pharlai befand, erreicht haben mussten. Rayle hatte seinen Sitz schon in Position gebracht, als Rutae sich im Copilotensitz niederließ.

"Bin gespannt, wie diese Forschungsstation so ist." kommentiere sie dabei.

Rayle grinste.

"Stinklangweilig, Kleine. Was glaubst du, warum wir ihnen dieses Zeug hier bringen?"

"Naja, ich frage mich, warum wir sowas bringen. Sicher bekommen sie das auch über die normalen Versorgungstransporte." entgegnete sie.

Der Mann beugte sich zu ihr rüber, tätschelte sie am Kopf, zwischen den Lekkuwurzeln.

"Grundsätzlich ja. Aber wir haben Rauschmittel dabei, sicher nicht die ganz legalen. Jetzt schau mich nicht so an, nichts wildes, sonst hätte ich dich nicht mitgenommen." erklärte er, lehnte sich dann wieder in seinen Sitz zurück, als das Austrittssignal kam.

"Mach dir keine Sorgen, ich bin ja auch nicht immer ganz brav gewesen. Sag mal..." begann Rutae, als Rayle einen Hebel zog und die Striche langsam zu Sternen wurde, wobei sie hier sehr viel geringer an der Zahl waren. Es war beinahe beunruhigend schwarz in dieser Gegend.

"Was ist denn, Ru?" er legt den Kopf schief, während er den Frachter in eine Sache Kurve legte, und einige Korrekturen vornahm. In der Ferne war schon der kleine Punkt der Station zu erkennen.

"Warum machst du eigentlich einen auf fürsorglich und Vater? Also ich meine... mehr als normal? Ich meine, ich bin alt genug..." fragte sie zögernd, dabei senkte sie unsicher den Blick.

Rayle antwortete nicht sofort. Nachdenklich steuerte er auf die Station zu, sein Gesicht verdüsterte sich eine Nuance.

"Weil ich bei meiner eigenen Tochter schändlich versagt habe."

Seine Antwort fiel letztlich reichlich knapp aus, er schien sie im Moment nicht genauer ausführen zu wollen.. Stattdessen aktivierte er das Intercom und nahm Verbindung mit der Station Pharlai auf, um sich für das Schiff eine Landeerlaubnis einzuholen.

Rutae senkte nachdenklich den Blick und grübelte vor sich hin und fragte sich, was wohl vorgefallen sein mochte.

 

Die Calebyr war nach der erteilten Erlaubnis in der kleineren der beiden Landebuchten gelandet. Rutae hatte gedacht, sie würden andocken und über Transferrohre auf die Station müssen, sie war erleichtert, als dies nicht nötig geworden war. Pharlai war viel größer, als es zuerst den Anschein gemacht hatte. Während sie die Laderampe herunterfahren ließ, war Rayle schon über diese nach unten geschritten. Er liebte diese Art von Auftritt. Unten angekommen wurden Rutae und Rayle von einem Mann in Empfang genommen. Die Twi'lek rümpfte sich die Nase, als dieser sie mit einer deutlich riechbaren Fahne begrüßte.

"Eh, bringt ihr unssser cooles Sssseuch? Wirrrd aber auch Sseeit." er lachte heißer und musste sogleich husten.

"Yo, Mann. Bring 'nen Schwebegleiter, wir lade gleich alles auf." entgegnete Rayle.

Vheruk brachte den Gleiter, den Rayle ihm aber relativ schnell abnahm. Er ließ Rutae bei ihm, während er im Laderaum die Kisten auflud.

"Sag mal, kann man so überhaupt vernünftig arbeiten?" wollte Rutae von dem betrunkenem wissen.

Dieser Blickte sie nur fragend an und wollte sie begrabschen, erhielt von Rutae dafür einen kräftigen Schlag auf die Hand.

"Behalt deine Griffel bei dir, ich bin schneller als du Schnecke sagen kannst!" fauchte sie leise.

Vheruk zögerte einen Augenblick, ließ aber weitere Annäherungsversuche bleiben. Etwa zehn Minuten später kam Rayle mit dem Schwebegleiter zurück.

"Kumpel, ich denk ich werd' dir eben helfen, nich' dass du mir das Zeug noch gegen die Wand steuerst. Kannst' mir aber schon quittieren."

Rayle hielt dem Mann ein Pad hin und Vheruk drückte nach mehreren Zielversuchen seinen Daumen drauf.

"Cool von dir, Ku... Kumpel." antwortete Vheruk. "Wir fahrn' das Ssseuch zur Prome... nade. Da warten schon Coal, Renna und Ssssigi auf mich. Ihr könnt euch ja dann alles öffentliche angugn."

Er wankte dann aber nur voran und überließ Rayle das Steuer, Rutae lief neben diesem her.

 

"He, sag mal, was forscht ihr hier eigentlich?" wollte Rutae von Vheruk wissen.

Dieser blickte sie für einen Moment an, als hätte sie ihn gebeten, ihr die Quantentheorie zu erklären. Erst nach einigen Momenten schien er zu verstehen, was sie eigentlich gemeint hat.

"Asoooouuu. Bakterienforschung in Bezug auf Medikamente oder so."

Vheruk stolperte und dachte nicht weiter über die Frage nach, er schien sich ohnehin nicht besonders mit diesem Thema zu verfassen. Rutae zog die Stirn kraus. Vermutlich hatte er als Trinker sonst keine weitere Jobchance, sonst hätte er sich sicher nicht an so einem abgelegenem Ort einen einfachen Arbeiterjob genommen. Sie blieb stehen, als sie merkte, dass auch die anderen angehalten hatten.

 

Ein hochgewachsener Zabrak war an die kleine Gruppe herangetreten und hatte Vheruk eher schroff, Rayle höflich und Rutae mit einem knappen Lächeln begrüßt. Er trug einfache, aber etwas besser gestellte Kleidung. Seine Haut war dunkel und eher dezent tätowiert, sein Blick durchdringend aber nicht unfreundlich.

"Guten Abend. Vheruk, bitte lass mich mal durchsehen. Bei dieser Lieferung sollte auch eine Kiste für mich dabei sein." sprach er mit ruhiger Stimme.

Vheruk nickte nur und holte einen Flachmann aus der Tasche, während Rayle sich an den Schwebegleiter lehnte. Ein paar Leute ringsum waren kurz stehen geblieben und blickten neugierig drein, doch schon bald drehten sie sich die meisten von ihnen wieder um. Rutae drehte sich kurz um. Irgendwie fühlte sie sich beobachtet. Zwei Frauen gingen gerade vorbei, dahinter war eine weitere Person zu einer Seitenschleuse getreten und schloss diese gerade hinter sich. Die Twi'lek zuckte mit den Schultern und blickte wieder zu ihrer Gruppe, wo der Zabrak eine der Kisten an sich genommen hatte.

"Wunderbar, dachte schon, diese Lieferung wäre schon wieder nicht dabei. Ich empfehle mich."

Da der Zabrak die Hände voll hatte, nickte er nur in die Runde und entfernte sich recht schnell. Er verließ die Promenade durch die selbe Schleuse wie der Mann, den Rutae kurz zuvor gesehen hatte.

"Wer war das denn?" wollte sie wissen.

"Der Zssabrak? Ah, nur Kharr, der assistiert den Forschern da. Iss' mir zu spießig." grunzte Vheruk herablassen und und setzte seinen Weg fort.

"Kommt, wir haben noch ein paar Meterchen, die warten sichaa' alle schon."

Brummelnd ging er voran, sein Schritt wurde zunehmend unsicher. Die Twi'lek schüttelte nur den Kopf. Rayle trank zwar auch gerne einen über den Durst, aber nie soviel, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Zudem verkrümelte er sich dann meist in seine Kabine und war für den Rest des Abends nicht mehr zu sehen.

 

Mittlerweile hatte der kleine Trupp eine Art Postzentrale erreicht. Die Wände waren voller Regale, teils gefüllt, teils leer. Eine junge Frau saß gelangweilt an einem Pult, als die Gruppe die Räumlichkeiten erreicht hatte. Sie blickte auf und erkannte Vheruk.

"Ah, da seid ihr ja. Danke fürs helfen." meinte sie, als sie auch zu Rayle und Rutae blickte.

Vermutlich war Vheruks Zustand keine Überraschung für sie. Sie begann sogleich mit der Überprüfung der Kisten.

Rayle ließ die Ladeplattform des Schwebegleiters herabsinken und deaktivierte die Einheit. Rutae gesellte sich wieder zu ihm.

"Na denn, viel Spaß mit eurem Krams, Cha Cha!"

Rayle hob zur Bestätigung seiner Worte einen Arm, die plumpe Variante einer Verabschiedung und verließ die Zentrale. Rutae nickte Vheruk, der etwas unbeholfen erste Dinge runter räumte, zu. Die Frau erwiderte die Gesten mit einem Nicken und versank in ihre Arbeit, nicht ohne Vheruk hier und da mal zu schelten. Rutae und Rayle indes waren wieder auf die Promenade getreten, um zurück zu ihrem Schiff zu schlendern.

 

Kharr lenkte seine Schritte zielsicher zum Laboraufzug, der ihn zwei Ebenen nach unten bringen würde. Er musste sein Paket kurz auf dem Boden vor sich abstellen, damit er seine Schlüsselkarte vom Gürtel abziehen und durch den Leseschlitz am Aufzug ziehen konnte. Der Aufzug erschien nach wenigen Augenblicken, die Türen öffneten sich geräuschvoll.

"Könnten auch mal wieder geölt werden..." brummte er leise vor sich hin, während er mit den Füßen das Paket in den Innenraum schob.

Dort aktivierte er seine Zielebene, während er nach oben in die montierte Kamera blickte. Dies erinnerte ihn an ein paar Dinge, die er noch in seiner knappen Zeit zu erledigen hatte. Ein dezent ungemütliches Rucken ließ ihn erkennen, dass er sein Ziel erreicht hatte. Während sich die Aufzugtüren öffneten, beugte sich der Zabrak nach unten, um sein Paket aufzunehmen. Er lenkte seine Schritte einen langen, leeren Flur entlang. Zu den Seiten gingen mehrere Türen ab. Im vorbeigehen prüfte Kharr, ob die Türen wie üblich geschlossen waren. In letzter Zeit gab es immer wieder Vorfälle, in denen die Sicherheitsprotokolle verletzt worden waren. Grundsätzlich kümmerte ihn das wenig, nur heute konnte er keine unliebsamen Gäste gebrauchen. Als er das Ende des Ganges erreicht hatte, ließ ihn ein Geräusch inne halten. Er blickte sich kurz um, doch niemand war zu sehen. Er wendete sich wieder der Sicherheitstür, die sich vor ihm befand, zu. Wieder musste er sein Paket abstellen, um sich mit seiner Karte Zugang zu verschaffen. Er beute sich etwas vor und ließ sein rechtes Auge scannen, dieser Raum war mit weiteren Schutzmechanismen versehen.

Es war nicht einfach gewesen, sich die Freigabestufe zu verschaffen, doch letztlich hatte er das Vertrauen eines der Wissenschaftler gewonnen und war zu seinem Assistenten geworden. Kharr war der Mann mit dem Blick für das Ungesehene, Fragen, die sich ein Wissenschaftler oft gar nicht stellte, weil sie ihm zu nichtig erschienen, aber dennoch wichtig für das Gesamte waren. Auch wenn seine langfristigen Ziele andere waren, so erfüllte ihm dieser Posten mit einer gewissen Art von Zufriedenheit.

Die Tür zum Labor öffnete sich im Gegensatz zu den Aufzugstüren geradezu geräuschlos. Er nahm sein Paket wieder auf und verschwand im inneren.

 

Er bemerkte nicht mehr, wie ein Mann aus einem der Seitenräume trat, um auf den Gang zu treten. Der bis auf seine visorartige Brille eher unauffällig in schwarze Gewänder gekleidete Mann wirkte durchtrainiert aber nicht muskulös. Seine blaue Haut verlieh ihm etwas unwirkliches. Er lenkte seine Schritte auf die Tür, hinter der Kharr verschwunden war, zu. Dort blieb er stehen und schloss ein kleines Gerät an, ehe er ebenfalls eine Zugangskarte hervorholte und diese durch den Leseschlitz zog. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem kaum erkennbaren Lächeln, während sein Virus ein paar augenscheinlich unwichtigere Subprogramme des Zugangssystems infizierte und umschrieb. Der Mann schob seine Visorbrille nach oben und entblößte rötlich leuchtende Augen. Der biometrische Scann aktivierte sich, dann wurde der Retinascann initiiert. Anstatt aber die Augen des Mannes zu überprüfen, schalteten sich die infizierten Subprogramme ein und gaukelten dem System eine passend zur Zugangskarte akzeptierte Retina vor. Die Tür öffnete sich. Caden zog seine Visorbrille wieder über die Augen, während er sein kleines Gerät abzog und durch die Tür trat, ehe sich diese wieder schloss.

 

Kharr hatte sein Paket einen Raum weiter geöffnet. Er befand sich im Zentrallabor außerhalb der Quarantänezone, die sich durch dicke Glaswände abgetrennt im Zentrum des Raumes befand. Kharr hatte aus dem Paket das leere Chassis eines Helferdroidens entnommen. Darin befand sich ein kleiner, gut gesicherter Gascontainer. Er entfernte den Schutzmantel des Containers nachdem er ein paar Dinge, die er in den letzten Tagen ins Labor geschmuggelt hatte, zusammengesucht hatte. Diese baute er zu einer kleinen Bombe zusammen und verband diese mit dem Container. Als er damit fertig war, setzte er alles in das Chassis des kleinen Droiden und nahm diesen auf. Ein Blick auf die Wand montierte Wanduhr verriet ihm, dass er nur noch wenige Minuten Zeit hatte, bis der Wachwechsel möglicherweise seine Manipulation an den Kameras bemerken würden. Er hatte keine Zeit, sich in einen Komplettanzug zu kleiden, deshalb holte er nur einen normalen Atemschutz hervor und aktivierte die Türsicherung der Quarantänezone. Solange der Gascontainer intakt blieb, würde ihm nichts passieren. Im Optimalfall sollte er schon die Promenade erreicht haben, ehe es losging. Er positionierte das mit Ha4zBer und Bombe präparierte Droidenchassis auf der Laboreinheit und aktivierte die zeitkontrollierte Tresoreinheit, in der sich Red Moon befand. Er wartete nicht, bis der Tresor nach oben gefahren war, sondern initialisierte die Öffnung des Tresors sofort, danach aktivierte er den Counter der Bombe. Anschließend verließ er die Quarantänezone. Doch bevor er die Tür dazu wieder verschließen konnte, vernahm er Schritte und sah eine behandschuhte Faust auf sich zufliegen.

 

Der wuchtige Schlag ließ Kharr hart gegen die Tür der Quarantänezone krachen. Dadurch wurde sie noch weiter geöffnet. Der Zabrak fuhr sich über die blutende Nase und rappelte sich gerade auf die Beine, als ein weiter Schlag gegen seine Schläfe donnern wollte. Reflexartig riss er seine Arme hoch, um sich zu schützen. Sein Gegner schien ganz genau zu wissen, wo er ihn zu treffen hatte, denn er ließ sich von Kharrs Schutzhaltung nicht abschrecken. Er bewegte sich leichtfüßig um Kharr herum und packte diesen Kräftig im Nacken, während er diesem das mit irgendwas gepanzertem Knie in den Magen trieb. Keuchend krümmte sich der Zabrak nach vorne, als ihm die Luft aus den Lungen getrieben wurde. Der Chiss nahm seinen freien Arm, schlug mit seiner Handkante wuchtig gen Kharrs Schläfe. Der Zabrak sackte in sich zusammen, sein Sichtfeld war auf das Gesicht des Mannes vor sich beschränkt und begann sich abzudunkeln.

 

"Wer zur Hölle... sind... Sie..." presste er mühevoll hervor, doch er erhielt keine Antwort.

Stattdessen holte der Chiss einen kleinen Gegenstand aus seinem Mantel und rammte diesen in Kharrs Hals. Der Zabrak spürte, wie sich eisige Kälte in seinem Körper ausbreitete, als sein Gegner die Nadel auch schon wieder entfernte und aus Kharrs Blickfeld verschwand.

"Wach... bleiben... nur noch vier... Min..." Kharr kippte bewusstlos zur Seite, noch bevor er seinen Satz zu Ende denken konnte.

 

Caden hatte das Labor mit schnellen Schritten verlassen. Zufrieden entsorgte er zwei Etagen weiter oben seine Giftnadel, eine Entsorgungseinheit weiter die Handschuhe, die er getragen hatte. Er war gerade auf das Promenadendeck getreten, als die Zeit, die er auf dem Bombendisplay des Zabraks gesehen hatte, abgelaufen war. Er griff in die Innentasche seiner Jacke, wo er auch das Gerät, mit dem er sich Zugang verschafft hatte, verstaut hatte. Er holte es hervor und gab einen zehnstelligen Zahlencode ein. Dann ging er in die Hocke und keine Sekunde später wurde die Station von einer starken Explosion, die Kharrs Bombe bei weitem übertraf, erschüttert. Die Energieversorgung fiel vollständig aus, es dauerte mehrere Minuten, bis die Notversorgung in Kraft trat. In dieser Zeit war Caden unterwegs zu seinem Schiff, denn er hatte auch dafür gesorgt, dass die Notversorgung nur auf das mindeste beschränkt war. Die Quarantänezone, die einst existiert hatte, war nicht nur teilweise beschädigt, sondern nicht operabel.

 

"Thavila Reven... Sie wollten die Gefahren von Red Moon aufzeigen... und habt eine echte Gefahr daraus gemacht. Gratulation." Zufrieden erreichte der Chiss sein Schiff.

 

Immerhin hatte Reven mit ihren Leuten wie Kharr dafür gesorgt, dass sich die Arbeit des Chiss minimiert hatte. Nun musste er nur noch beobachten und Daten sammeln, das Ganze konnte er nun unter optimalen Bedingungen an lebendigen Wesen tun.