Zu meinen Stories

Kurzgeschichten zu meinen MMO oder RP Charas.

Die Sonne brannte heiß und unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel herab. Der Sand der unendlichen Dünen ringsherum war brennend heiß, die Hitze brachte die trockene Luft zum Flimmern. Kein Windhauch, kein Lüftchen bewegte sich und alles um mich herum war still. Alles wirkte lebensfeindlich und tot. Dennoch fühlte ich mich zu Hause. In mir loderte ein Feuer, heiß wie die Sonne, trocken wie der Sand unter meinen Füßen. Ich war ein Sohn des Wüstenfeuers. Es loderte heiß in mir und ist im Gegensatz zur Wüste war es sehr lebendig. Das Wüstenfeuer war mein Schild, meine Energie. Schon als kleines Kind hatte ich seine Präsenz gespürt, es hat mich in den kalten Wüstennächten gewärmt und beschützt. Schon damals hatte mein Vater mit Freude mein Talent unterstützt und mich darin bekräftigt, es mit offenen Armen zu aufzunehmen, als Teil meiner Selbst zu akzeptieren. Wo es für andere ein Werkzeug war, so war es für mich ein Verbündeter und so hat mich das Wüstenfeuer nie im Stich gelassen.

 

Ich rückte mein Gewand, welches in dunklen Rotbraun- und Schwarztönen gehalten war, zurecht. Strähnen meines langen Haars, dass teilweise im Nacken zusammen gebunden war, fielen mir dabei ins Gesicht, doch ich beachtete es nicht. Ich hob meinen Blick und konzentrierte diesen noch einmal auf den Horizont, der sich verschwommen vor mir auftat. Nichts war zu sehen, dennoch fühlte ich einen seltsamen Knoten in meiner Magengegend. Auch wenn es keine Anzeichen für einen Sturm gab, so war ich mir sicher, dass er sich unscheinbar und schleichend aufbaute. Mit den Jahren hatte sich mein Gefahrensinn immer weiter verfeinert, auch wenn ich der Wüste nun schon seit vielen Jahren fern geblieben war, um die Tochter des Windes zu beschützen. Ich versteifte mich, als ich an das Mädchen dachte und hoffte, dass ich nicht zu früh aufgebrochen war. Aber auch mein Volk, meine Familie brauchte mich. Fünfzehn Jahre waren eine lange Zeit und wenngleich wir von Zeit zu Zeit Nachrichten ausgetauscht hatten, war es mir nicht möglich gewesen, sie zu besuchen. Das Mädchen des Windes war für die Wüste nicht bereit gewesen. Nachdenklich schüttelte ich meinen Kopf, denn ich war mir sicher, dass sie noch immer nicht bereit für die Wüste und das Wüstenfeuer war.

 

Ich machte kehrt und wanderte etwas schräg die Düne hinab. Intuitiv wählte ich den sichersten Weg, der mich am sichersten nach unten bringen würde. Als Kind war ich die Dünen mehr als einmal auf meinem Hinterteil hinab gesegelt, gewollt und nicht gewollt. Dafür hatte ich nun aber keine Zeit, ich musste unbedingt die Oase [tooltip=Wüstenperle]Lawaliwat Alssahra'[/tooltip] erreichen. Der Boden unter meinen Füßen fühlte sich seltsam an. Nicht die Konsistenz oder wie sich der Sand verhielt, nein, es war, als würde sich die Hitze der Wüste tief in die Erde verkriechen. Langsam, aber spürbar. Ich griff nach der Wüstenhitze, sammelte sie in meinem Geist. Nun war ich sicher, dass ein Sturm aufzog. Ein Sturm, wie er schon lange nicht mehr über diese Wüstengegend gewütet hatte. Ich beschleunigte meine Schritte und verfiel in einen trabenden Gang, den ich minütlich beschleunigte. Ich erreichte Adham, einen schwarzen Hengst, den ich vor kurzem erstanden hatte. Wild und stolz hatte es sich zu Beginn gegen mich, gesträubt. Doch als Adham erkannt hatte, dass ich ihn als Freund und Gefährten, nicht als geistloses Nutztier ansah, hatte ich sein Vertrauen erhalten und er war mir ein treuer Begleiter geworden. Ich hatte mich noch nie an Kamele gewöhnen können.

 

Doch die Oase [tooltip=Wüstenperle]Lawaliwat Alssahra'[/tooltip] war nicht so tief in der Wüste, mit einem Pferd noch gut zu erreichen. Dennoch würde mein treuer Begleiter eine längere Rast und viel Wasser brauchen. Hoffentlich würde er vor dem Sturm noch die Gelegenheit dazu haben. Ich trat zu dem Hengst, der im Schutze einiger Felsen im Schatten ruhte und klopfte ihm sanft auf die Flanke. Er begrüßte mich mit einem Wiehern, während ich mich eilig auf seinen Rücken schwang. Adham der mit Zaumzeug ohne Trense oder Kandare aber ohne Sattel ausgerüstet war, schien meine Eile zu spüren und beschleunigte soweit es der sandige Boden zuließ.

 

Nach einer halben Stunde konnte ich die Silhouette der Oase erkennen. Ich fühlte mich sofort an meine Kindheit erinnert, doch ich hatte keine Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Mittlerweile war die Luft sehr viel dunstiger geworden, der Boden kälter. Das Wüstenfeuer hatte sich in die Tiefe verkrochen, hinter mir hatten sich erste Winde erhoben. Bei diesem Gedanken dachte ich an [lexicon]Rana[/lexicon], die Tochter des Windes und musste trotz der ernsten Situation lächeln. Tiefblaue Augen und ein gutes Herz. Eines Tages würde der Wüstenwind vielleicht auf sie hören, doch noch war sie zu jung, zu unerfahren, zu vorsichtig und zurückhaltend. Sie musste und würde ihren Weg finden, noch stand sie am Anfang diesen Pfades. Ich lenkte meine Gedanken ins Jetzt zurück. Vor mir konnte ich zwischen den schützenden Palmen die ersten Zelte erkennen. Ihr Stil hatte sich ein wenig gewandelt, doch die aufgezeichneten Muster waren die selben wie Damals. Familie. Der Gedanke gesellte sich zum wärmenden Wüstenfeuers und ich konnte nicht anders, als ein wenig zu lächeln. Mit wehender Kleidung erreichte ich die Oase, die gar nicht so klein war. Die Quelle in ihrem Zentrum war scheinbar noch immer ergiebig und klar. Ich steuerte direkt auf diese zu und glitt vom Rücken meines Pferdes. Ein kleiner, dunkelhäutiger Junge in einem einfachem Kaftan kam direkt angerannt und ich reichte ihm die Zügel. Ich klopfte dem jungen auf die Schulter und musterte die dunklen Augen, das krause Haar. Er schien in Ranas Alter zu sein und sein Grinsen erinnerte mich an das von meinem Bruder Adil.

"Du musst Anwar sein, richtig?" Ich blickte ihn fragend an, doch seine ganz Erscheinung erinnerte an meinen älteren Bruder Adil, der mir den Jungen in seinen Nachrichten sehr gut beschrieben hatte.

Der Junge nickte und schien einen Augenblick zu überlegen. Natürlich hatte er mich noch nie gesehen und ich wusste nicht, was Adil ihm über mich erzählt hatte.

"Ich bin dein Onkel, der viele Jahre auf Reisen war. Danke, dass du mich um mein Pferd kümmerst. Ich muss mich mit deinem Vater und Akeem al Ameer unterhalten. Sei vorsichtig, das Wüstenfeuer hat sich zurückgezogen und der Wut der Lüfte platz gemacht," erklärte ich ihm schnell.

Der Junge nickte verstehend und beeilte sich, mein Pferd zu versorgen, während ich direkt zum größten Zelt am Rande des Wassers zusteuerte. Die Plane war in Beige- und Brauntönen gehalten, im Gegensatz zu den anderen Zelten aber trug es aber besonders viele Verzierungen. Manche davon waren mir unbekannt, andere sehr vertraut. Ich trat an den Zelteingang, wo ein junger Mann in der Robe eines Wächters stand. An seiner Seite trug er stolz seine Klinge, sein Blick war konzentriert und ernst. Ich war mir nicht sicher, ob wir uns kannten, zu viel Zeit war vergangen. Ich hob meine Hand und zeigte ihm die Innenfläche, auf welcher die Zeichen unseres Stammes, meiner Familie in dunkler, bräunlicher Farbe ähnlich von Henna tätowiert waren. Der Wächter nickte und hob die Zeltplane an, damit ich eintreten konnte. Ich nickte ihm dankbar zu und trat mit gemischten Gefühlen ein.

 

Das Zentrum des Zeltes wurde von einem kleinem, gut gesichertem Lagerfeuer beherrscht. Friedlich tanzten die Flammen unter einem Kessel, vermutlich mit Wasser für Tee befüllt. Funken und Rauch stoben nach oben, einer Öffnung an der Zeltmitte entgegen. Mit etwas Abstand zum Feuer waren schwere Teppiche auf dem Boden ausgelegt. Mein Blick wanderte über die vielen Kissen auf der linken Seite zu einem mit Stoffen abgeteilten Bereich weiter hinten, rechts davon waren die Besitztümer in großen Kisten gelagert. Abgesehen von Akeem al Ameer, meinem Vater, war niemand im Zelt zu sehen. Ich trat an meinen Vater, der gerade in Gedanken versunken an seiner Wasserpfeife sog, heran und verneigte mich respektvoll, eine Hand vor der Brust, die andere an den Griff meines Schwertes, welches ich dann in einer fließenden Bewegung löste und quer zwischen uns auf den Boden legte. Auf Akeems faltigem und vom Wetter gegerbtem Gesicht erkannte ich zuerst Überraschung, dann eine Mischung aus Traurigkeit und Freude.

 

Ohne zu sprechen blickten wir uns einige Momente an, doch dann legte er das Mundstück der Wasserpfeife, deren Rauch die nähere Umgebung in eine sanfte Apfelnote tauchte, zur Seite und hob die Arme während ich mich schon auf die Knie begab und meinerseits die Arme zu einer herzigen lang anhaltenden Umarmung ausgestreckt hatte. Viel zu lange war es her und obwohl ich die letzten Jahre mit meinem Schützling [lexicon]Rana[/lexicon] nicht bereute, so spürte ich, wie auch meine Familie, mein Volk mir abgegangen war. Ich setzte mich zu einem Schneidersitz direkt gegenüber meinen Vater, welcher noch immer nach Worten rang, obwohl er sonst ein großer Redner und Anführer für unser Volk war. Sein einst rabenschwarzes Haar war nun von Grau in verschiedenster Nuancen durchzogen, die Krähenfüße und Runzeln um die Augen und Mundwinkel tiefer geworden. Doch er wirkte noch immer stark und stattlich, selbst im Sitzen wirkte er noch groß, er war hochgewachsen, größer als fast alle, die in der Oase lebten. Seine braunen Augen musterten mich, noch immer hatte ich dabei das Gefühl, als würde er tief in meine Seele blicken. Es gab niemandem, der ich mehr Respekt zollte, als meinem Vater.

 

"Karim," begann er zu sprechen.

Seine Stimme klang etwas rauher, als ich es in Erinnerung hatte, dennoch war der Klang noch immer melodisch und warm.

"Du warst eine lange Zeit fort. Hast du gefunden, was du gesucht hattest?"

Ich nickte langsam, aber überzeugt. Ja, ich hatte gefunden, was ich gesucht hatte. Das Ziel, welches mir die Wüste vor so langer Zeit offenbart hatte. Vielleicht konnte ich meinem Vater die kleine Windläuferin eines Tages vorstellen. Wie früher erbat mein Vater keine weitere Erklärung. Sein Vertrauen wärmte mein Herz, bekräftigte mein Vertrauen in ihn. Später würde ich ihm von ihr erzählen, doch die Kälte, die näher kroch, erinnerte mich an den drohenden Sturm.

"Vater, wir haben uns lange nicht gesehen und es gibt so viel zu bereden, doch ein starker Sandsturm droht, obwohl die Zeichen dafür noch nicht zu erkennen sind. Das Wüstenfeuer, die Hitze des Sandes, sie hat sich schon in die Tiefen verkrochen... es ist, als wäre tiefste Nacht, obwohl die Sonne noch nicht unter gegangen ist. "

Ich verdrängte den innigen Wunsch, die nächsten Stunden in Erzählungen mit meinem Vater zu schwelgen und richtete mich wieder auf, mein Vater, der stumm genickt hatte, hatte sich ebenfalls erhoben. Seine wallenden Gewänder schmiegten sich um seine stattliche Gestalt, das leicht gewellte Haar fiel wie ein Wasserfall über seine Schultern.

"Wir werden dem Sturm trotzen, wie wir allem trotzen... und die Kälte wird uns nicht erreichen, denn nun ist dein Wüstenfeuer bei uns, mein Sohn."

Akeems Stimme war nun kräftiger, entschlossen, das, was uns beiden wichtig war, zu beschützen. Ich hob mein Schwert auf und befestigte es wieder an meine Seite, dann traten wir gemeinsam vor das Zelt.

 

Akeem al Ameer, Anführer der Bewohner der Oase Lawaliwat Alssahra, hob seine Arme empor und klatschte drei Mal laut in die Hände. Die Zeltwache, und zwei weitere Männer in direkter Umgebung hielten kurz inne und eilten davon, denn sie wussten, was diese Geste bedeutete. Die Eingangsplane des benachbarten Zeltes wurde angehoben, der Kopf mitsamt eines langen Zopfes einer jungen Frau schob sich heraus. Sie nickte zu Akeem und mir dann verschwand ihr Kopf. Kurz darauf konnte ich ihre klare, helle Stimme hören, wie sie wohl ein paar Kinder im Zelt aufscheuchte. Es dauerte nicht lange, bis eine Gruppe von Familienvätern und weiteren Wächtern, darunter auch einige Frauen, zu Akeem al Ameer traten.

"Ein Sturm, wie wir ihn schon seit vielen Jahren nicht zu spüren bekommen haben, wird uns bald ereilen. Befestigt alles, was ihr könnt, bringt die alten, kranken und kleinen Kinder in die Ahatmi-Höhle. Die Jugendlichen kümmern sich um unsere Tiere, der Rest von euch weiß, was zu tun ist." Die Stimme meines Vaters war entschlossen, ohne Furcht und mit Vertrauen an sein Volk. Er durfte weder Sorge oder gar Furcht zeigen, denn alles, was er sagte, tat und zeigte nahm Einfluss auf die Bewohner der Oase. War er aber stark und mutig, so waren sie zuversichtlich und ebenso stark und mutig. Obwohl die Situation ernst war, konnte ich nicht vermeiden, zu lächeln. Ich war zu Hause. Das Wüstenfeuer tobte und gab mir Kraft. Dieser Sturm würde uns nicht in die Knie zwingen. Kurz dachte ich an [lexicon]Rana[/lexicon], die Windläuferin. Obwohl ich vom Wind nicht so viel verstand, wusste ich, dass seine Kräfte vielschichtig waren. Ranas Windmagie würde niemandem so schaden, wie es dieser Sturm tat, denn er war ein Abbild der Schwärze, die tief in der Schwarzwüste verborgen lag und jeden, der sich nicht in Acht nahm, verschlingen würde. Ich spürte den Blick meines Vaters auf mir und nickte. Später.

 

Ich lenkte meine Schritte an den Rand der Oase, dort wo sich eine Düne in den Himmel erhob. Mit weiten Schritten erklomm ich den immer schneller auskühlenden Sand, der nun schon stärker vom Wind durch die Luft gewirbelt wurde. In der Ferne konnte ich den Sturm nun erkennen. Noch war er klein, wie eine dünne, schwarze Linie, die sich dicht über den Boden voran schob, noch weit entfernt. Mein innerstes rumorte, es war, als würde ein Damm kurz vor dem Zerbersten stehen. In den wenigen Augenblicken, in denen ich den Horizont fokussiert hatte, hatte sich die dünne Linie schon verdoppelt. War der Sturm erst einmal hier, würde der Sand wohl hunderte Meter in die Luft geschleudert werden. Tief in meinen Eingeweiden spürte ich das Grollen und Tosen, dass in nur wenigen Stunden über uns hinweg branden würde. Meine Hände ballten sich ungewollt zu Fäusten. Dann wandte ich mich um und eilte zurück in die Oase, um meinen Leuten zu helfen.

 

Ich rannte zwischen den Palmen, deren Stämme sich mittlerweile stärker im Wind bewegten, durch. Das Rascheln ihrer Blätter wurde immer lauter, als würden sie in Panik aufschreien. Hier und da klapperte eine Laterne, deren Lichter längst gelöscht worden waren. Die Gefahr eines Feuers war zu groß geworden. Ich hörte meinen Bruder, wie er einigen Männern Aufgaben zu rief, doch ich lenkte meine Schritte in eine andere Richtung. Ich kontrollierte die abgelegenen Zelte und Verstecke, die die Oase bot. Manchmal gab es jemanden, der die Warnsignale nicht bemerkt hatte. Ich kannte da so einen Kandidaten und wunderte mich, ob er seine Umgebung noch immer nicht beachtete. Ich erschauderte, als eine weitere, starke Böe meine Kleidung ergriff und ein kleines Fass in der Nähe umwarf und davon rollen ließ. Ich zog das Tuch um meinen Hals über meinen Mund, denn ich hatte keine Lust, die halbe Wüste zu schmecken. Was früher oder später ohnehin der Fall sein würde, doch ich zögerte den Moment so lang es ging heraus.

 

Ich erreichte eine kleine Senke, zu der ein kleiner Ausläufer der Quelle hin zog. Hier wuchs das Schilf hoch, von der anderen Seite von einigen Gesteinsbrocken geschützt. Das Schilf raschelte laut, gemeinsam mit dem dem starkem Wind zu einem chaotischem Lied vereint. Ich bog einige Gräser, die mir die Sicht verschleierten, zur Seite und erreichte das kleine, freie Plätzchen, das Kerem so liebte. Tatsächlich saß der alte Mann dort an einen Stein gelehnt. In seiner Hand hielt er eine Pfeife, längst vom Wind ausgeblasen. Er hatte die Augen geschlossen und es wirkte, als würde er die raue Umarmung genießen. Ich schnaubte fast amüsiert, als ich ihn so dösen sah. Seine faltiges, von der Sonne braun gebranntes Gesicht wirkte zufrieden, beinahe sorglos. Ich stemmte meine Arme in die Hüften und schüttelte den Kopf.

"Kerem, [tooltip=aufwachen]aistayqaz[/tooltip]!" rief ich laut, doch er reagierte nicht.

Ich beugte mich vor und rüttelte etwas fester an seiner Schulter. Erst dann öffnete er seine Augen und blickte mich verwundert an. Es überraschte mich nicht, denn auch er hatte mich fünfzehn Jahre nicht gesehen. Für mich hatte er sich kaum verändert, doch ich musste auf ihn fast wie ein Fremder wirken. Es dauerte noch einen Moment, dann richtete er sich auf und umarmte mich.

"Karim, ich wusste, dass du kommen würdest. Allerdings hatte ich gehofft, dass du die Wut der Wüste nicht mitbringen würdest... doch ich habe schon lange gespürt, dass es unvermeidlich sein wird. Nur wann... das wusste ich nicht. Natürlich hat mir niemand geglaubt...," erklärte er mit einer Ruhe, die in der Oase kaum einer aufbringen konnte, wenn ein Sturm dieser Natur heran nahte.

Kerem war schon immer ein eher mystischer Charakter gewesen, andere hatten schon vor langem behauptet, er wäre nur ein verrückter Mann, der sein Wüstenfieber in jungen Jahren nie richtig auskuriert hätte. Ich war mir selbst nicht sicher, lange Zeit hatte ich den anderen in dieser Sache geglaubt, doch schon in den Monaten, bevor ich meine Heimat verlassen hatte, hatte er Dinge gesagt, die zwar seltsam aber irgendwie auch richtig erschienen waren. Er war eine Art verrückter Weiser, der sich seltsam benahm, aber in seinem Wahnsinn Wahrheiten aufdeckte, an die sonst niemand gedacht hätte.

"Wenn du von dem Sturm wusstest, warum hast du niemanden gewarnt und sitzt noch immer hier? Das ist kein sicherer Ort, Kerem," erklärte ich, während ich ihn sanft aber bestimmt durch das Schilf schob.

"Oh, das habe ich, aber vermutlich habe ich mich ungeschickt ausgedrückt," antwortete er entschuldigend. Seine Stimme war kratzig und rauh.

Ich fragte mich, wie lange er mal wieder an diesem Eck gesessen war. Irgendwo entfernt erklang ein peitschenartiges, reißendes Geräusch. Ich blickte mich kurz um, doch ich konnte nichts erkennen. Womöglich hatte der Sturm eines der Zelte beschädigt. Wenn das jetzt schon der Fall war, was würde erst passieren, wenn der Sturm angekommen war?

"Du solltest besser auf dich aufpassen, mein Freund. Dieser Sturm ist anders."

Kerem wollte zu einer Antwort ansetzten, doch vermutlich hatte er mir Sand als ihm lieb war eingeatmet und so hörte ich nur ein ersticktes Husten. Ich führte ihn am Ufer entlang, hier gab es einige Stellen, an denen weniger Palmen standen. Mittlerweile war der Sturm angekommen, sein Tosen übertönte die Rufe der anderen Leute und schränkte die Sicht stark ein. Mittlerweile konnte ich außer Kerem kaum etwas erkennen, eine weitere Böe peitschte uns um die Ohren und ließ uns ins Wasser stolpern. Der Sturm hatte uns erreicht, wir würden den Unterschlupf kaum noch erreichen. Ich blieb am Ufer und ging in die Knie, zog Kerem mit mir zu Boden. Der alte Mann würde es nicht schaffen, sich sicher genug weiter zu bewegen. ich half ihm, sein Gesicht mit seinen Tüchern zu bedecken, danach zog ich meine Stoffe enger an mich. Mittlerweile hatte ich überall Sand, die Hüften abwärts waren wir beide nass und schlammig.

"Karim, das Wüstenfeuer hat sich zurückgezogen, der Dämon aus der Tiefe hat die Luftgeister gebändigt und auf uns gehetzt...," Kerems Stimme war kaum zu verstehen, ich erahnte eher, was er sagte, als dass ich es verstand. Ich nickte und packte seinen Arm fester, während ich mit der anderen nach einer Wurzel ergriff.

Ich fühlte die Abwesenheit des Wüstenfeuers genauso schmerzlich, mittlerweile war es kalt und dunkel. Der Sand hatte das sinkende Sonnenlicht schon vor der hereinbrechenden Nacht verschluckt. Es fühlte sich an, als wären wir verlorene Seelen im weitem Nichts, doch das erschreckte mich nicht. Ich war keine Person, die leicht aufgab. Ich krallte meinen Verstand an den letzten Funken Wüstenfeuer, zog es wärmend und schützend um Kerem und mich. Was auch immer der Dämon aus der Tiefe wollte, er würde uns nicht besiegen. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf den Schutz. Das Wüstenfeuer war nicht ganz verschwunden, daran konnte auch der Sturm nichts ändern. Niemals.

 

Eisige Kälte. Dunkelheit, schwärzer als jede Mondlose Nacht. Meine Hände waren taub, ich könnte nichts hören, fühlen oder schmecken. Fühlte sich so der Tod an? Die Leere der Vergessenheit? Dennoch wirbelten meine Gedanken unklar und wirr umher. Weit entfernt, tief in meinem Innerem spürte ich das winzige Glimmen des Wüstenfeuers, kaum mehr als ein kleiner Fleck kurz vor dem Erlöschen. Nein! Das plötzliche Geräusch meiner Stimme war wie das explodierende Geräusch eines Donners, der sich schallend zwischen den Felswänden einer Schlucht verstärkte. Das Glimmen wärmte mich von Innen heraus, gab mir Kraft. Irgendwo um mich herum spürte ich Verärgerung, als wäre einer Wesenheit mein starker Wille zu wieder. Mühevoll öffnete ich meine Augen, doch noch immer herrschte Dunkelheit. Es war, als befände ich mich mitten im Nichts. Eindrücke wie Einsamkeit, Verlust und Angst versuchten sich durch meine Sinne in meine Seele zu brennen, doch ich stieß sie von mir. Ein wütender Strudel versuchte mich straucheln zu lassen, doch ich gab nicht nach. Plötzlich erschienen zwei glimmende Augen vor mir. Doch das Leuchten strahlte keine Wärme oder Freundlichkeit aus. Eisig und blau fiel der stechende Blick auf mich, ringsum bildete sich ein eisiger Nebel, der mich in die Tiefe zu drängen versuchte.

"Gieb nach, Wüstensohn, du hast doch längst verloren," höhnte eine tiefe, hasserfüllte Stimme.

"Dein Herz und deine Seele gehören doch längst mir, schon vor deiner Geburt wurde entschieden, wo dein Schicksal liegt."

Für einen Augenblick fühlte sich die Stimme in ihrem Klang furchtbar vertraut an, doch dann fühlte sich alles wie eine Falle an, wie das Licht, dass ein Insekt anzulocken versuchte. Ich griff nach dem schwachen Licht des Wüstenfeuers, darum bemüht es anzufachen, es zu erhitzen. Die viele Jahre lang antrainierte Ruhe und Stärke wandelte sich zu unbändigen Zorn, ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal solche Wut gespürt hatte. Tief im Herzen weggesperrt hatte sie noch immer wie das Wüstenfeuer aufgelodert. Kontrolle. Bedächtigkeit. Klugheit und Weisheit. Alles zusammen war das Netz, dass die Emotionen kontrollieren, damit sie den Verstand nicht trüben. Doch manchmal konnten Emotionen ein unglaublicher Katalysator für Kraft sein.

 

Ich spannte meine Arme an und streckte sie zu den Seiten weg, auf den Handinnenflächen bildeten sich Flammen, die sich zu heißen, brennenden Kugeln verfestigten. Ich grinste die kalten Augen vor mir herausfordernd an. Für einen Augenblick spürte ich Amüsement, doch dann baute das, was auch immer sich vor mir befand, einen Schutzwall aus Luft und Stein auf. Ich schickte mein Feuer los, wild und ungebändigt hüllte es mein Gegenüber aus der Tiefe ein.

"Tut mir Leid, aber heute bekommst du mich nicht!"

Mein Brüllen, kräftig und Laut fühlte sich fremd an, fast als käme es aus allen Richtungen. Die Fassade der Wesenheit bröckelte, doch ich hatte nicht den Eindruck, gewonnen zu haben. Vielmehr war es, als hätte ich etwas frei gelassen, das besser in der Tiefe belassen wäre. Mit einem wütendem Grollen gab es nach und verschwand in die Tiefe, nicht ohne mich noch einmal daran zu erinnern, dass nun was auch immer begonnen hatte. Mit seinem Verschwinden wurde es wieder wärmer, das Wüstenfeuer entflammte zu seiner ursprünglichen große und wärmte mich und meine Gedanken, riss mich aus der tiefen Dunkelheit zurück in die Realität.

 

Ich spürte, wie ich auf die Knie sackte, meine Hände halb in den nassen Sand des Ufers gebohrt. Ich konnte mich nicht erinnern, gestanden zu haben, meine letzten Erinnerungen kreisten darum, Kerem beschützt zu haben. Ich spüre noch einen starken Wind, doch der Sturm hatte nachgelassen. Meine Kleidung war nass, voller Sand und Schlamm. Mühevoll öffnete ich meine Augen, völlig vom Dreck verklebt. Ich drehte mich unbeholfen um und spülte sie mit dem Wasser aus. Erst jetzt hörte ich Kerems Stimme. Ich drehte mich zu ihm um und erkannte ihn im schwachen Mondlicht am Rücken liegend, halb im Wasser, halb am Ufer. Erschöpft aber erleichtert blickte er mich an.

"Du hast mich besorgt, Akeem. Du hast seltsame Dinge von dir gegeben und sogar gebrüllt. War es..?" krächzte der geschwächte Mann, doch ich schüttelte nur meinen Kopf und winkte ab.

"Nicht jetzt. Ich bin in Ordnung. Komm, alter Mann. Gehen wir die anderen suchen und nach dem Rechten sehen."

Ich reichte Kerem die Hand und zog ihn langsam auf die Beine. Sein Stand war wackelig. Fast musste ich lachen, wir beide sahen aus, wie zwei Gestalten aus den Sümpfen um Glisch herum. Ich erlaubte mir einen Blick ringsum. Die meisten Palmen hatten den Sturm überstanden, doch einige waren abgebrochen oder gar entwurzelt worden. Überall waren Blätter, Schilf und Gegenstände aus dem Lager verteilt. Das Licht des Mondes, welcher mittlerweile frei von Wolken war, reichte nicht aus, um bis zu den Zelten sehen zu können, doch ich konnte einige Fackeln erkennen. Also waren die ersten aus dem Schutz der Höhle gekrochen. Ich fragte mich, wie lange ich in diesem seltsamen Traum gefangen war, doch ich sprach es nicht aus. Wer weiß, was der gute, alte Kerem wieder daraus machte. Vorsichtig bahnten wir unseren Weg in Richtung der Zelte, von denen hoffentlich einige überlebt hatten. Mein Kopf fühlte sich schwer an, ich tat mich schwer, mich zu konzentrieren. Es würde einige Tage dauern, bis ich meine Gedanken wirklich geordnet hatte, doch in einem war ich mir sicher; was auch immer heute passiert war, war mehr als nur ein Sturm und ein seltsamer Traum gewesen.

#02 Dunkel

 Langsam ließ die Benommenheit zurück und tauschte mit einem dumpfen Kopfschmerz den Platz. Rutae rieb sich zuerst die Augen, dann den Kopf und versuchte sich zu erinnern, was zuletzt eigentlich passiert war. Dabei blickte sie sich suchend um und realisierte erst jetzt so richtig, dass es ziemlich dunkel war. Nur hier und da flackerten die roten Lichter der Notbeleuchtung, die aber kaum Helligkeit verursachte.

„Rayle?“ fragte die Twi'lek unsicher, während langsam Bruchstücke der letzten Ereignisse wieder den Weg in ihre Gedanken fanden.

Sie erinnerte sich an eine dumpfe Explosion, auf die kaum eine Sekunde später eine zweite, viel massivere Explosion gefolgt war. Die ganze Station hatte gebebt, die Leute waren hingefallen, teils sogar nicht mehr ganz so gut in Schuss befindliche Verstrebungen aus den Halterungen gesprungen. Die Luft schmeckte sogar hier, scheinbar relativ weit weg von der Explosion, irgendwie rauchig und war deutlich wärmer als zuvor. Irgendwie kam ihr auch 'verbrauchter' in den Sinn, doch sie hoffte, dass sie sich das nur einbildete, denn das könnte bedeuten, dass die Luftaufbereiter oder gar das Lebenserhaltungssystem defekt oder zerstört war.

„Rayle, verdammt, jetzt sag doch was!“ fluchte sie angesäuert.

Die Twi'lek holte ihr Comlink heraus und pipte Rayle an. Sie höre ganz in ihrer Nähe das seltsame Knacken eines alfarianischen Sumpfhuhns und fühlte sich schon etwas erleichtert. Es gab in der ganzen Galaxies nur einen Idioten, der sein Com so eingestellt hatte, dass es bei eingehenden Anrufen diese Töne von sich gab. Vorsichtig tappste sie in die Richtung des Lauts, ihr Com dabei als Lichtquelle vor sich haltend. Beinahe war sie über irgendetwas gestolpert, doch sie hatte sich noch fangen können. Als sie im schwachen Licht Rayles Gestalt am Boden liegen sah, war sie froh, ihn gefunden zu haben, aber ihn so bewusstlos da liegen zu sehen, sorgte sie sehr.

„Das ist nicht lustig, wach endlich auf!' maulte sie und gab ihm eine sachte Ohrfeige.

Der Mann regte sich nur schlaftrunken, was Rutae entrüstet schnauben lies. Die nächste klatschte umso heftiger, Rayle ruckte dann orientierungslos auf, blickte Rutae, soweit sie es im schwachem Licht erkennen konnte, mehr als verwirrt an. Im Hintergrund krähte noch immer das alfarianische Sumpfhuhn. Die Twi'lek deaktivierte ihr Com und half Rayle, sich hinzusetzen.

„Wie lange war ich weg, Kleine?“ wollte er mit ungewöhnlich schwacher Stimme wissen.

Rutae hob ihren Arm und blickte auf das Display ihres Chronometers.

„Scheinbar eine Stunde, ich bin vorhin wach geworden und mich ziemlich erschreckt, weil ich dich nicht sofort gefunden habe. Weißt du, was hier los ist? Ich glaube, irgendwas ist explodiert und hat die Energieversorgung lahmgelegt. Und mit der Luft stimmt auch was nicht. Meinst du, die bekommen die Brände, wenn es welche sind, nicht in den Griff?“ sprudelte es aus ihr hervor.

Rayle hob die Hand, um ihr zu signalisieren, etwas langsamer zu machen. Er rieb sich über die Augen und gähnte müde, ehe er sich selbst ein paar Mal auf die Wange schlug.

„Wenn ichs nicht besser wüsste, dann würde ich behaupten, die haben die Luftaufbereiter mit Schlafgas befüllt, ich fühle mich, als könnte ich eine Woche durchschlafen...“ brummte er.

Rutae hob die Augenwulst.

„Ich bin hellwach und ich habe eine Heidenangst, hier mitten im Nichts auf einer Raumstation zu sitzen, die vielleicht bald ein wirklich ernsthaftes Problem hat. Reiß dich zusammen, du bist doch die Vaterfigur hier!“ schalt sie ihn und hielt ihm die Hand hin, damit er sich auf die Beine helfen lassen konnte.

„Hast ja recht, Kleines. Aber ich weiß nicht, was los ist. Aber eines kann ich dir sagen... mit der Luft stimmt wirklich etwas nicht. Wir sollten nach jemanden suchen, der sich hier auskennt. Die werden doch sicher Notfallprotokolle haben, immerhin ist das eine Forschungsstation.“ erklärte er, während er sich mit Rutaes Hilfe aufrichtete. Er wirkte wirklich nicht besonders fit, Rutae konnte zumindest keine äußerlichen Verletzungen ausmachen.

 

„Wir sind noch in der Nähe der Poststelle, lass uns am besten gleich da fragen.“ schlug Rutala vor, Rayle quittierte dies mit einem Nicken.

 

#01 Pharlai

Rutae rutschte nervös auf ihrem Barhocker herum und zupfte sich zum wiederholten Mal den weiten Mantel zurecht. Ihr weites Halstuch, dass sie locker um den Hals trug war mittlerweile etwas zerknittert, doch sie hatte es aufgegeben, es richten zu wollen. Neugierig blickte sie mit ihren aufgeweckten, grünen Augen zu Rayle hinüber. Dieser hatte gerade keine Augen für die junge Lethan Twi'lek, denn er hatte seinen Blick auf den Eingang gerichtet. Die Luft in der Bar war stickig, ganz so als wäre die Lüftung seit langem schon defekt. Rutae rümpfte sich die Nase und langte zu ihrem Glas und nippte vorsichtig daran. Rayle hatte ihr ein mildes Ale bestellt, sie musste sich erst an den süßlichen Geschmack des Getränks gewöhnen. Er hatte ihr erklärt, dass sie die Umgebung im Auge behalten sollte, während er mit ihrem Kontakt sprechen würde. Rayle war der Meinung, dass ein Wasser oder ein Saft nicht an den Ort passen würde und sie damit möglicherweise auffälliger wäre. Die Twi'lek war davon nicht ganz überzeugt, hatte aber nichts dagegen gesagt.

 

Rutae blickte gerade wieder in Rayles Richtung, als dieser sich etwas aufrichtete und kaum merklich nickte. Sie schaute wie beiläufig an ihm vorbei und hielt nach einem Nikto Ausschau. Ihr Auftraggeber, Rash war Mitglied der Kajain'sa'Nikto, die am meisten verbreitete Unterart des Volkes. Ihre gelbliche Haut und die Stirnkämme verliehen den Nikto ein wildes, bei einigen einschüchterndes Aussehen. Ihr Kontakt, Rashs Aussehen verband eindeutig beides, seine etwas verwegene Kleidung mit einem Lederbandoleer bestärkten den Eindruck noch. Rutae war froh, dass sie sich aus dem Gespräch heraushalten sollte. Rayle hatte ihr versichert, dass sie nichts illegales tun würden, musste aber zugeben, dass sie es mit dem groben Typ von Auftraggebern zu tun hatten. Sie war sich sicher, dass Rayle hier und da mal wieder Details beschönigt hatte, doch in dem letzten halben Jahr, seid er sie zu seinem Crewmitglied gemacht hatte, hatte es keine Probleme gegeben. Er schien sehr darauf bedacht, dass ihr nichts passierte, Rutae glaubte sogar ein wenig väterliches Verhalten bei dem Mann entdeckt zu haben. Bei dem Gedanken musste sie schmunzeln.

 

Rashs raue, kratzige Stimme holte sie mit einem Brummen wieder in die Gegenwart. Er hatte sich mit Rayle an einen nahen Tisch gesetzt und beugte seinen Zeigefinger mehrmals, um der Twi'lek zu signalisieren, dass sie sich zu sich und Rayle gesellen sollte. Scheinbar hatte er sofort erkannt, dass sie zu Rayle gehörte, ihm war es Augenscheinlich nicht recht, wenn sie aus der Ferne Beobachtungen anstellte. Nach kurzem Zögern blickte sie gen Rayle und dieser nickte seufzend. Rutae rutschte vom Hocker und nahm sich ihr Glas Ale, marschierte mit eiligen Schritten an den Tisch und setzte sich neben Rayle. Kurz darauf brachte eine menschliche Bedienung in fast schon aufreizender Kleidung zwei Whiskey an den Tisch. Rash schien die Frau nicht zu beachten, während Rayle einen kurzen Blick auf deren Dekolleté, dass sich auf seiner Augenhöhe befand, wagte. Die Bedienung grinste nur keck und entfernte sich, um zwei Tische weiter eine Bestellung anzunehmen. Rash blickte Rayle und Rutae an. Er schien die beiden für einige Momente zu mustern. Der Nikto lehnte sich mit seinen Armen an den Tisch, das Getränk umgriff er mit der linken Hand, trank aber nichts davon.

"Nun, Rayle..." begann er und fixierte diesen mit seinem Blick. Rayle schien sich daran nicht zu stören, sondern nickte lediglich.

"Simple Aufgabe. Ich habe hier in meiner Bucht 'n paar kleinere Frachtcontainer, die ich normalerweise selbst transportiern' würd'. Leider liegt der Zielort ziemlich ab vom Schuss, ich hab' aber noch 'n paar andere Dinge zu erledigen. Bist' ja schon Mal für mich geflogn'. Ist langweiliges Zeug... Spiele zum zockn', Genußmittel und n' paar Rauschmittel. Nur der harmlose Kram, mach dir da kein' Kopp."

 

Rayle nickte, während der Nikto sprach, Rutae hörte nur zu. Sie wusste, dass Rayle es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nahm, es störte sie nicht. Sie hatte in der Vergangenheit selbst hier und da herum getrickst oder sich Dinge dauerhaft ausgeliehen, um die Medizin ihrer Mutter zu finanzieren. Sie war nich nicht lange bei Rayle, doch sie hatte schon bemerkt, dass er eine Art Beschützerinstinkt entwickelt hatte.

"Wo ist der Zielort denn, Rashboy?" wollte Rayle wissen, nachdem er einen Schluck getrunken hatte.

Rash verzog die Mundwinkel, es hatte etwas Ähnlichkeit, als würde ein Wolf die Lefzen hochziehen.

"Is' ne Forschungsstation... nennt sich Pharlei und ist da so am Rand vom Wilden Raum. Sagte ja, is' mir aktuell zu weit weg. Nimmste den Job an?" antwortete der Nikto und hob sein Glas an, als würde er trinken wollen, hielt aber in der Bewegung inne.

Rayle blickte kurz gen Rutae, dann zurück zu Rash, nickte dann.

"Klingt nach nem einfachem, ruhigen Job. Bezahlung wie das letzte Mal?" kommentierte Rayle.

"Letztes Mal war gefährlicher, musst mit einem Tacken weniger Leben, Kommste damit klar?" entgegnete Rash, hob eine Stirnwulst an.

Ralye zögerte einen Augenblick, hob die Schultern etwas, ließ diese dann aber wieder sinken.

"Auch okay, aber dann gehn die Drinks heut auf dich, Kumpel."

 

Rash schnaubte kurz, Rutae war sich nicht sicher, ob er entrüstet oder amüsiert war, tippte aber wohl auf letzteres. Rash stellte seinen Whiskey ungetrunken wieder ab und stand auf, dabei wurde sein Stuhl zurückgeschoben. Er legte einige Credits auf den Tisch.

"Wir sehn' uns in Bay3, schaffst es in ner Stunde?" fragte er, während er inne hielt.

Rayle nickte.

"Sicher."

Der Nikto nickte gen Rayle und bahnte sich seinen Weg aus den Räumlichkeiten.

"Outer Rim, puh, kein Wunder, dass die da Games brauchen, muss echt langweilig dort sein. Also wenn die nich gerade am Forschen sind. Frag mich, was das für ne Forschung ist, wenn sie so weit draussen am kalten Arsch der Galaxie betrieben wird." Rayle hob sein Glas an die Lippen und kippte sich die Hälfte in den Rachen, Rutae nahm nur einen Schluck ihres Getränks.

"Klingt nach ner einfachen Aufgabe. Dann hast du genug Zeit, mir mehr über das Schiff beizubringen. Ist doch gut so, oder?" Rutae stellte ihr Glas ab und schob es etwas von sich. Rayle nickte.

"Dann lass uns mal loslegen, Kleine." Der Mann stand auf und bot Rutae die Hand, damit sie sich unnötiger Weise an ihm hochziehen konnte. Dennoch tat sie dies. Sie schob ihren Stuhl an den Tisch heran, während Rayle seinen einfach stehen ließ, wie er war. Er warf noch einen prüfenden Blick auf die Credits, genau für die drei Getränke abgezählt. Er schnaubte. Rash kannte die Örtlichkeit und war sich über deren Preise wohl sehr im klaren. Rayle nahm eine zusätzliche Münze und legte diese als Trinkgeld dazu. Er winkte der Bedienung, schenkte ihr einen Anzüglichen Blick und deutete auf den Tisch. Danach verließ er mit Rutae im Schlepp die Kneipe.

"Du bist und bleibst ein alter Weiberheld, Rayle!" spottete Rutae, als sie an die frische Luft traten.

 

Rayle hatte Rutala schon zum Schiff geschickt, um den Start vorzubereiten. Er selbst kümmerte sich darum, Rashs Fracht auf die Calebyr zu bringen. Dabei wurde er von Ker und Nur unterstützt. Die beiden waren Mitarbeiter - Rayle bezeichnete sie eher als Handlager - von Rash. Normalerweise zierten sie sich, wenn Rayle die Ware, die er zu liefern hatte, noch einmal genauer inspizieren wollte, doch dieses Mal ließen sie ihn Schulterzuckend gewähren. Rayle runzelte die Stirn, als er mit dem linken Arm an den Kistenrand gestützt dastand, die rechte hielt den Deckel an. Der Inhalt dieser Kiste entsprach tatsächlich den genannten Dingen. Er ließ den Deckel wieder zu fallen.

"Na, ist ja fast zu schön um wahr zu sein, könnte ja echt mal ne ruhige Reise werden." kommentierte der Pilot und grinste Ker und Nur an. Diese nickten nur und hoben ihre Hände leicht zum Abschied.

"Man sieht sich, Rayle." brummte Nur zum Abschied.

Rayle straffte sich und sicherte die Kisten ein letztes mal, ehe er die Rampe schloss und sich mit einem kleinen Umweg über die Kombüse ins Cockpit aufmachte. Dort ließ er sich schwer in seinen Sitz fallen und holte die Kekspackung hervor, stopfte sich gleich zwei auf einmal in den Mund, während er sich zurück lehnte.

"Du wirst fett, Rayle!" kommentierte Rutae und erhielt einen fragenden Blick mit hochgezogener Augenbraue.

"Ja wirklich! Ich bin fast fertig, willst du kontrollieren, ob ich alles richtig gemacht habe?" entgegnete die Lethan, wie zur Bestätigung ihrer Worte starteten die Triebwerke, einige Tafeln der Kontrollkonsole leuchteten auf. Rayle neigte sich etwas vor und nickte.

"Dann hol mal ne Starterlaubnis, Kleine. Ich flieg uns dann raus." Er ließ seine Lehne etwas nach oben gehen, um etwas gerader zu sitzen.

 

Es dauerte zwei Minuten, bis Rutae jemanden dran bekam, der ihnen die Starterlaubnis erteilte und sie war froh, dass sie diesen schmuddeligen Ort endlich verlassen konnten. Überall zwielichtige Kerle, die sie entweder feindselig anstarrten oder sie fast schon sabbernd angafften. Angewidert schüttelte sie bei dem Gedanken den Kopf, während Rayle den Frachter in den Orbit steuerte. Er reichte Rutae ein kleines Pad.

"Frogrammirf maf die Roufe, Rufae!" sagte er, nachdem er sich wieder ein paar Kekse in den Mund geschoben hatte.

"Hä? Ab 3 Keksen wird es unverständlich..." beschwerte sie sich und nahm das Pad entgegen.

Sie hatte schon verstanden, was er gemeint hatte und rief die Koordinaten des Pads auf, um ihre Route zu programmieren.

"Das ist ja wirklich am Arsch der Galaxie... also so richtig da hinten und so... Wir werden ein paar mehr Sprünge als üblich haben... Na, dann kann ich weiter üben." quittierte sie das Ergebnis und reichte das Pad zurück.

"Jop, so schauts aus, Kleine." antwortete Rayle nun ohne Keksbehinderung.

"Leg mal los, ich mach ein Nickerchen."

"Was, ich soll alleine springen?" Rutae blickte ihn fragend an.

"Klar, Ru. Du hast es oft genug gemacht, du kannst das schon."

 

Mit diesem Worten drückte sich der Mann aus dem Sitz und verließ das Cockpit, ohne Ruate die Gelegenheit zu einer Antwort zu geben. Sie versteifte sich kurz, kletterte dann aber in den Pilotensitz und lächelte. Wenn, dann richtig. Sie rief sich den ersten Sprungpunkt auf die Steuerkonsole, legte die Hände an die Kontrollen und ließ das Schiff ohne Probleme in den Hyperraum übergehen. Sie beobachtete, wie die Sterne zu Streifen wurden und aktivierte den Autopiloten. Danach programmierte sie das Warnsystem, dass sie darauf hinweisen würde, wenn der Austritt aus dem Hyperraum anstand, um die Route zu wechseln.

 

Danach glitt sie aus dem Sitz und machte sich gähnend auf dem Weg in ihre Kabine. Dabei musste sie an Rayles Kabine vorbei und blieb kurz stehen, um die Türe dazu anzustarren. Als ihre Mutter vor einigen Monaten ihrer langen Krankheit erlegen war, stand Rutae alleine und ziellos da. Zuvor hatte sie immer alles getan, um die Medizin ihrer Mutter zu finanzieren. Zu sehen, wie die Medizin nicht mehr anschlug und Rhavanna immer schwächer wurde, hatte ihr sehr zugesetzt. Die ersten Wochen war sie ständig in Gedanken versunken, zur obersten Ebene auf Coruscant gewandert. Ihr Bruder Tah're war noch immer verschwunden und so langsam glaubte sie wirklich dem Gerücht, dass er entweder tief in irgendwelchen Bandengeschehen oder gar im Knast festhing. An ihren Vater dachte sie indes nicht, denn von dieser Person wollte sie nichts wissen. Mahv hatte ihre Mutter, die schon immer schwächlich und schutzbedürftig war, schon sehr früh verlassen. Er scherte sich nicht um sie oder die zwei kleinen Kinder, die Rutae und Tah're waren. So hatten die Kinder schon immer schwer darum kämpfen müssen, zu überleben, weil kein Geld da war. Rayle hatte sie am Raumhafen von Coruscant aufgegabelt und gründlich ausgefragt. Normalerweise reagierte Rutae auf solche Dinge sehr verschlossen und abweisend, doch er hatte es geschafft, dass sie ihm von alledem erzählte. Letztlich hatte er ihr einen Job als Copilot angeboten. Natürlich hatte die Twi'lek keinerlei Ahnung vom Fliegen gehabt, doch er hatte nur abgewunken und ihr erklärt, dass er ihr es beibringen würde. Seitdem war Rutae mehr als einmal aufgefallen, dass er irgendwie einen Vaterkomplex bei ihr entwickelte. Sie fragte sich, ob das einen tieferen Grund hatte und war sich inzwischen sicher, dass dem so war. Sie musste gähnen und wurde somit daran erinnert, wie müde sie war. So stapfte sie weiter in ihre Kabine und ließ sich auf ihr Bett fallen.

 

Die Tage verstrichen relativ ereignislos, für Rutae waren die Stunden, in denen Rayle mit ihr weiter die Schiffsfunktionen durchging, die interessantesten. Rutae befand sich gerade in der Kombüse, als Rayle sie über das Intercom zu sich ins Cockpit rief. Sie stopfte sich die Reste ihres Sandwiches zwischen die Backen und eilte los, denn sie wusste, dass sie nun das System, in dem sich die Station Pharlai befand, erreicht haben mussten. Rayle hatte seinen Sitz schon in Position gebracht, als Rutae sich im Copilotensitz niederließ.

"Bin gespannt, wie diese Forschungsstation so ist." kommentiere sie dabei.

Rayle grinste.

"Stinklangweilig, Kleine. Was glaubst du, warum wir ihnen dieses Zeug hier bringen?"

"Naja, ich frage mich, warum wir sowas bringen. Sicher bekommen sie das auch über die normalen Versorgungstransporte." entgegnete sie.

Der Mann beugte sich zu ihr rüber, tätschelte sie am Kopf, zwischen den Lekkuwurzeln.

"Grundsätzlich ja. Aber wir haben Rauschmittel dabei, sicher nicht die ganz legalen. Jetzt schau mich nicht so an, nichts wildes, sonst hätte ich dich nicht mitgenommen." erklärte er, lehnte sich dann wieder in seinen Sitz zurück, als das Austrittssignal kam.

"Mach dir keine Sorgen, ich bin ja auch nicht immer ganz brav gewesen. Sag mal..." begann Rutae, als Rayle einen Hebel zog und die Striche langsam zu Sternen wurde, wobei sie hier sehr viel geringer an der Zahl waren. Es war beinahe beunruhigend schwarz in dieser Gegend.

"Was ist denn, Ru?" er legt den Kopf schief, während er den Frachter in eine Sache Kurve legte, und einige Korrekturen vornahm. In der Ferne war schon der kleine Punkt der Station zu erkennen.

"Warum machst du eigentlich einen auf fürsorglich und Vater? Also ich meine... mehr als normal? Ich meine, ich bin alt genug..." fragte sie zögernd, dabei senkte sie unsicher den Blick.

Rayle antwortete nicht sofort. Nachdenklich steuerte er auf die Station zu, sein Gesicht verdüsterte sich eine Nuance.

"Weil ich bei meiner eigenen Tochter schändlich versagt habe."

Seine Antwort fiel letztlich reichlich knapp aus, er schien sie im Moment nicht genauer ausführen zu wollen.. Stattdessen aktivierte er das Intercom und nahm Verbindung mit der Station Pharlai auf, um sich für das Schiff eine Landeerlaubnis einzuholen.

Rutae senkte nachdenklich den Blick und grübelte vor sich hin und fragte sich, was wohl vorgefallen sein mochte.

 

Die Calebyr war nach der erteilten Erlaubnis in der kleineren der beiden Landebuchten gelandet. Rutae hatte gedacht, sie würden andocken und über Transferrohre auf die Station müssen, sie war erleichtert, als dies nicht nötig geworden war. Pharlai war viel größer, als es zuerst den Anschein gemacht hatte. Während sie die Laderampe herunterfahren ließ, war Rayle schon über diese nach unten geschritten. Er liebte diese Art von Auftritt. Unten angekommen wurden Rutae und Rayle von einem Mann in Empfang genommen. Die Twi'lek rümpfte sich die Nase, als dieser sie mit einer deutlich riechbaren Fahne begrüßte.

"Eh, bringt ihr unssser cooles Sssseuch? Wirrrd aber auch Sseeit." er lachte heißer und musste sogleich husten.

"Yo, Mann. Bring 'nen Schwebegleiter, wir lade gleich alles auf." entgegnete Rayle.

Vheruk brachte den Gleiter, den Rayle ihm aber relativ schnell abnahm. Er ließ Rutae bei ihm, während er im Laderaum die Kisten auflud.

"Sag mal, kann man so überhaupt vernünftig arbeiten?" wollte Rutae von dem betrunkenem wissen.

Dieser Blickte sie nur fragend an und wollte sie begrabschen, erhielt von Rutae dafür einen kräftigen Schlag auf die Hand.

"Behalt deine Griffel bei dir, ich bin schneller als du Schnecke sagen kannst!" fauchte sie leise.

Vheruk zögerte einen Augenblick, ließ aber weitere Annäherungsversuche bleiben. Etwa zehn Minuten später kam Rayle mit dem Schwebegleiter zurück.

"Kumpel, ich denk ich werd' dir eben helfen, nich' dass du mir das Zeug noch gegen die Wand steuerst. Kannst' mir aber schon quittieren."

Rayle hielt dem Mann ein Pad hin und Vheruk drückte nach mehreren Zielversuchen seinen Daumen drauf.

"Cool von dir, Ku... Kumpel." antwortete Vheruk. "Wir fahrn' das Ssseuch zur Prome... nade. Da warten schon Coal, Renna und Ssssigi auf mich. Ihr könnt euch ja dann alles öffentliche angugn."

Er wankte dann aber nur voran und überließ Rayle das Steuer, Rutae lief neben diesem her.

 

"He, sag mal, was forscht ihr hier eigentlich?" wollte Rutae von Vheruk wissen.

Dieser blickte sie für einen Moment an, als hätte sie ihn gebeten, ihr die Quantentheorie zu erklären. Erst nach einigen Momenten schien er zu verstehen, was sie eigentlich gemeint hat.

"Asoooouuu. Bakterienforschung in Bezug auf Medikamente oder so."

Vheruk stolperte und dachte nicht weiter über die Frage nach, er schien sich ohnehin nicht besonders mit diesem Thema zu verfassen. Rutae zog die Stirn kraus. Vermutlich hatte er als Trinker sonst keine weitere Jobchance, sonst hätte er sich sicher nicht an so einem abgelegenem Ort einen einfachen Arbeiterjob genommen. Sie blieb stehen, als sie merkte, dass auch die anderen angehalten hatten.

 

Ein hochgewachsener Zabrak war an die kleine Gruppe herangetreten und hatte Vheruk eher schroff, Rayle höflich und Rutae mit einem knappen Lächeln begrüßt. Er trug einfache, aber etwas besser gestellte Kleidung. Seine Haut war dunkel und eher dezent tätowiert, sein Blick durchdringend aber nicht unfreundlich.

"Guten Abend. Vheruk, bitte lass mich mal durchsehen. Bei dieser Lieferung sollte auch eine Kiste für mich dabei sein." sprach er mit ruhiger Stimme.

Vheruk nickte nur und holte einen Flachmann aus der Tasche, während Rayle sich an den Schwebegleiter lehnte. Ein paar Leute ringsum waren kurz stehen geblieben und blickten neugierig drein, doch schon bald drehten sie sich die meisten von ihnen wieder um. Rutae drehte sich kurz um. Irgendwie fühlte sie sich beobachtet. Zwei Frauen gingen gerade vorbei, dahinter war eine weitere Person zu einer Seitenschleuse getreten und schloss diese gerade hinter sich. Die Twi'lek zuckte mit den Schultern und blickte wieder zu ihrer Gruppe, wo der Zabrak eine der Kisten an sich genommen hatte.

"Wunderbar, dachte schon, diese Lieferung wäre schon wieder nicht dabei. Ich empfehle mich."

Da der Zabrak die Hände voll hatte, nickte er nur in die Runde und entfernte sich recht schnell. Er verließ die Promenade durch die selbe Schleuse wie der Mann, den Rutae kurz zuvor gesehen hatte.

"Wer war das denn?" wollte sie wissen.

"Der Zssabrak? Ah, nur Kharr, der assistiert den Forschern da. Iss' mir zu spießig." grunzte Vheruk herablassen und und setzte seinen Weg fort.

"Kommt, wir haben noch ein paar Meterchen, die warten sichaa' alle schon."

Brummelnd ging er voran, sein Schritt wurde zunehmend unsicher. Die Twi'lek schüttelte nur den Kopf. Rayle trank zwar auch gerne einen über den Durst, aber nie soviel, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte. Zudem verkrümelte er sich dann meist in seine Kabine und war für den Rest des Abends nicht mehr zu sehen.

 

Mittlerweile hatte der kleine Trupp eine Art Postzentrale erreicht. Die Wände waren voller Regale, teils gefüllt, teils leer. Eine junge Frau saß gelangweilt an einem Pult, als die Gruppe die Räumlichkeiten erreicht hatte. Sie blickte auf und erkannte Vheruk.

"Ah, da seid ihr ja. Danke fürs helfen." meinte sie, als sie auch zu Rayle und Rutae blickte.

Vermutlich war Vheruks Zustand keine Überraschung für sie. Sie begann sogleich mit der Überprüfung der Kisten.

Rayle ließ die Ladeplattform des Schwebegleiters herabsinken und deaktivierte die Einheit. Rutae gesellte sich wieder zu ihm.

"Na denn, viel Spaß mit eurem Krams, Cha Cha!"

Rayle hob zur Bestätigung seiner Worte einen Arm, die plumpe Variante einer Verabschiedung und verließ die Zentrale. Rutae nickte Vheruk, der etwas unbeholfen erste Dinge runter räumte, zu. Die Frau erwiderte die Gesten mit einem Nicken und versank in ihre Arbeit, nicht ohne Vheruk hier und da mal zu schelten. Rutae und Rayle indes waren wieder auf die Promenade getreten, um zurück zu ihrem Schiff zu schlendern.

 

Kharr lenkte seine Schritte zielsicher zum Laboraufzug, der ihn zwei Ebenen nach unten bringen würde. Er musste sein Paket kurz auf dem Boden vor sich abstellen, damit er seine Schlüsselkarte vom Gürtel abziehen und durch den Leseschlitz am Aufzug ziehen konnte. Der Aufzug erschien nach wenigen Augenblicken, die Türen öffneten sich geräuschvoll.

"Könnten auch mal wieder geölt werden..." brummte er leise vor sich hin, während er mit den Füßen das Paket in den Innenraum schob.

Dort aktivierte er seine Zielebene, während er nach oben in die montierte Kamera blickte. Dies erinnerte ihn an ein paar Dinge, die er noch in seiner knappen Zeit zu erledigen hatte. Ein dezent ungemütliches Rucken ließ ihn erkennen, dass er sein Ziel erreicht hatte. Während sich die Aufzugtüren öffneten, beugte sich der Zabrak nach unten, um sein Paket aufzunehmen. Er lenkte seine Schritte einen langen, leeren Flur entlang. Zu den Seiten gingen mehrere Türen ab. Im vorbeigehen prüfte Kharr, ob die Türen wie üblich geschlossen waren. In letzter Zeit gab es immer wieder Vorfälle, in denen die Sicherheitsprotokolle verletzt worden waren. Grundsätzlich kümmerte ihn das wenig, nur heute konnte er keine unliebsamen Gäste gebrauchen. Als er das Ende des Ganges erreicht hatte, ließ ihn ein Geräusch inne halten. Er blickte sich kurz um, doch niemand war zu sehen. Er wendete sich wieder der Sicherheitstür, die sich vor ihm befand, zu. Wieder musste er sein Paket abstellen, um sich mit seiner Karte Zugang zu verschaffen. Er beute sich etwas vor und ließ sein rechtes Auge scannen, dieser Raum war mit weiteren Schutzmechanismen versehen.

Es war nicht einfach gewesen, sich die Freigabestufe zu verschaffen, doch letztlich hatte er das Vertrauen eines der Wissenschaftler gewonnen und war zu seinem Assistenten geworden. Kharr war der Mann mit dem Blick für das Ungesehene, Fragen, die sich ein Wissenschaftler oft gar nicht stellte, weil sie ihm zu nichtig erschienen, aber dennoch wichtig für das Gesamte waren. Auch wenn seine langfristigen Ziele andere waren, so erfüllte ihm dieser Posten mit einer gewissen Art von Zufriedenheit.

Die Tür zum Labor öffnete sich im Gegensatz zu den Aufzugstüren geradezu geräuschlos. Er nahm sein Paket wieder auf und verschwand im inneren.

 

Er bemerkte nicht mehr, wie ein Mann aus einem der Seitenräume trat, um auf den Gang zu treten. Der bis auf seine visorartige Brille eher unauffällig in schwarze Gewänder gekleidete Mann wirkte durchtrainiert aber nicht muskulös. Seine blaue Haut verlieh ihm etwas unwirkliches. Er lenkte seine Schritte auf die Tür, hinter der Kharr verschwunden war, zu. Dort blieb er stehen und schloss ein kleines Gerät an, ehe er ebenfalls eine Zugangskarte hervorholte und diese durch den Leseschlitz zog. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem kaum erkennbaren Lächeln, während sein Virus ein paar augenscheinlich unwichtigere Subprogramme des Zugangssystems infizierte und umschrieb. Der Mann schob seine Visorbrille nach oben und entblößte rötlich leuchtende Augen. Der biometrische Scann aktivierte sich, dann wurde der Retinascann initiiert. Anstatt aber die Augen des Mannes zu überprüfen, schalteten sich die infizierten Subprogramme ein und gaukelten dem System eine passend zur Zugangskarte akzeptierte Retina vor. Die Tür öffnete sich. Caden zog seine Visorbrille wieder über die Augen, während er sein kleines Gerät abzog und durch die Tür trat, ehe sich diese wieder schloss.

 

Kharr hatte sein Paket einen Raum weiter geöffnet. Er befand sich im Zentrallabor außerhalb der Quarantänezone, die sich durch dicke Glaswände abgetrennt im Zentrum des Raumes befand. Kharr hatte aus dem Paket das leere Chassis eines Helferdroidens entnommen. Darin befand sich ein kleiner, gut gesicherter Gascontainer. Er entfernte den Schutzmantel des Containers nachdem er ein paar Dinge, die er in den letzten Tagen ins Labor geschmuggelt hatte, zusammengesucht hatte. Diese baute er zu einer kleinen Bombe zusammen und verband diese mit dem Container. Als er damit fertig war, setzte er alles in das Chassis des kleinen Droiden und nahm diesen auf. Ein Blick auf die Wand montierte Wanduhr verriet ihm, dass er nur noch wenige Minuten Zeit hatte, bis der Wachwechsel möglicherweise seine Manipulation an den Kameras bemerken würden. Er hatte keine Zeit, sich in einen Komplettanzug zu kleiden, deshalb holte er nur einen normalen Atemschutz hervor und aktivierte die Türsicherung der Quarantänezone. Solange der Gascontainer intakt blieb, würde ihm nichts passieren. Im Optimalfall sollte er schon die Promenade erreicht haben, ehe es losging. Er positionierte das mit Ha4zBer und Bombe präparierte Droidenchassis auf der Laboreinheit und aktivierte die zeitkontrollierte Tresoreinheit, in der sich Red Moon befand. Er wartete nicht, bis der Tresor nach oben gefahren war, sondern initialisierte die Öffnung des Tresors sofort, danach aktivierte er den Counter der Bombe. Anschließend verließ er die Quarantänezone. Doch bevor er die Tür dazu wieder verschließen konnte, vernahm er Schritte und sah eine behandschuhte Faust auf sich zufliegen.

 

Der wuchtige Schlag ließ Kharr hart gegen die Tür der Quarantänezone krachen. Dadurch wurde sie noch weiter geöffnet. Der Zabrak fuhr sich über die blutende Nase und rappelte sich gerade auf die Beine, als ein weiter Schlag gegen seine Schläfe donnern wollte. Reflexartig riss er seine Arme hoch, um sich zu schützen. Sein Gegner schien ganz genau zu wissen, wo er ihn zu treffen hatte, denn er ließ sich von Kharrs Schutzhaltung nicht abschrecken. Er bewegte sich leichtfüßig um Kharr herum und packte diesen Kräftig im Nacken, während er diesem das mit irgendwas gepanzertem Knie in den Magen trieb. Keuchend krümmte sich der Zabrak nach vorne, als ihm die Luft aus den Lungen getrieben wurde. Der Chiss nahm seinen freien Arm, schlug mit seiner Handkante wuchtig gen Kharrs Schläfe. Der Zabrak sackte in sich zusammen, sein Sichtfeld war auf das Gesicht des Mannes vor sich beschränkt und begann sich abzudunkeln.

 

"Wer zur Hölle... sind... Sie..." presste er mühevoll hervor, doch er erhielt keine Antwort.

Stattdessen holte der Chiss einen kleinen Gegenstand aus seinem Mantel und rammte diesen in Kharrs Hals. Der Zabrak spürte, wie sich eisige Kälte in seinem Körper ausbreitete, als sein Gegner die Nadel auch schon wieder entfernte und aus Kharrs Blickfeld verschwand.

"Wach... bleiben... nur noch vier... Min..." Kharr kippte bewusstlos zur Seite, noch bevor er seinen Satz zu Ende denken konnte.

 

Caden hatte das Labor mit schnellen Schritten verlassen. Zufrieden entsorgte er zwei Etagen weiter oben seine Giftnadel, eine Entsorgungseinheit weiter die Handschuhe, die er getragen hatte. Er war gerade auf das Promenadendeck getreten, als die Zeit, die er auf dem Bombendisplay des Zabraks gesehen hatte, abgelaufen war. Er griff in die Innentasche seiner Jacke, wo er auch das Gerät, mit dem er sich Zugang verschafft hatte, verstaut hatte. Er holte es hervor und gab einen zehnstelligen Zahlencode ein. Dann ging er in die Hocke und keine Sekunde später wurde die Station von einer starken Explosion, die Kharrs Bombe bei weitem übertraf, erschüttert. Die Energieversorgung fiel vollständig aus, es dauerte mehrere Minuten, bis die Notversorgung in Kraft trat. In dieser Zeit war Caden unterwegs zu seinem Schiff, denn er hatte auch dafür gesorgt, dass die Notversorgung nur auf das mindeste beschränkt war. Die Quarantänezone, die einst existiert hatte, war nicht nur teilweise beschädigt, sondern nicht operabel.

 

"Thavila Reven... Sie wollten die Gefahren von Red Moon aufzeigen... und habt eine echte Gefahr daraus gemacht. Gratulation." Zufrieden erreichte der Chiss sein Schiff.

 

Immerhin hatte Reven mit ihren Leuten wie Kharr dafür gesorgt, dass sich die Arbeit des Chiss minimiert hatte. Nun musste er nur noch beobachten und Daten sammeln, das Ganze konnte er nun unter optimalen Bedingungen an lebendigen Wesen tun.

Aliera befand sich im Tempelgarten im Schatten eines großen Laubbaumes. Ihre Beine hatte sie zu einem Schneidersitz gezogen, ihre Hände ruhten auf ihren Knien. Die fünfzehnjährige trug eine einfach, aber weit gehaltene Robe, ihr langes, offenes Haar fiel ihr locker den Rücken hinab. Ihre Augen waren geschlossen, dennoch könnte man meinen, dass sie immer wieder durch kleine Schlitze hinaus blinzelte. Phyar, Alieras gefiederter Freund hatte sich auf einem Ast über der Padawan niedergelassen und schien sich auszuruhen. Aliera spürte,wie sich jemand vertrautes näherte. Sie gab es auf, so zu tun, als wäre sie in Meditation versunken und öffnete die Augen.

„Meister.“ sagte sie ruhig und rappelte sich auf, um sich dann höflich vor ihm zu verbeugen.

„Wie ich sehe, langweilst du dich und findest nicht in die Meditation, nicht wahr?“ er schmunzelte und musterte seine Schülerin, die verlegen nickte.

„Ja, ich kann aber auch nichts vor Euch verbergen, nicht wahr?“ erwiderte sie grinsend.

Cheldran nickte und bedeutete dem Mädchen, ihm zu folgen. Aliera schluckte die aufkommende Frage, wohin es nun gehen würde, herunter. Sie wusste, dass er ihr nicht gleich verraten würde, was er nun vor hatte. Ihr Meister hatte ein Fabel für Geheimniskrämerein und Geduldsproben, wohl wissend, dass Aliera ihre Schwierigkeiten damit hatte.

 

Er führte seine Padawan durch den Garten, lenkte ihre Schritte dabei über die angelegten Pfade. Sie erreichten einen kleinen Eingang, der in den Liftraum führte. Die beiden begaben sich auf Ebene Eins und durchschritten drei weitere Räume, bis sie die Haupthalle erreichten. Während sie die Säulen abschritten,  zweiundzwanzig hatte die Padawan gezählt, begegneten ihnen nur ein paar Jedi, die zielgerichtet ihrer Wege gingen. Zu ihrer rechten tauchte der Eingang zu den Archiven auf. Cheldran bedeutete ihr, zu warten und betrat die Archive.

 

Aliera trat an die Seite des Eingangs, um nicht im Weg zu stehen. Sie fragte sich, was er vorhatte. Sie lehnte sich an die Wand und beobachtete die Jedi und Boten, die durch die Eingangshalle schritten. Sie kannte die meisten vom Sehen, nur ein junger Jedi, der an einer Säule stand war ihr unbekannt. Er hatte kurzes, strubbeliges Haar und wirkte nervös. Nein, er war nervös, das konnte man regelrecht spüren. Aliera blickte kurz durch den Eingang des Archivs, doch ihr Meister war noch nicht zu sehen. Sie drückte sich von der Wand ab und ging auf den jungen Mann, der wohl etwa fünf oder sechs Jahre älter als sie war, zu. Er bemerkte sie erst, als sie schon fast bei ihm stand und schreckte zurück.

„Tut mir Leid, ich wollte dich nicht erschrecken.“ erklärte sie im vertraulichen Ton und machte eine beschwichtigende Geste. Er lächelte verlegen und fing sich etwas.

„Muss, muss es nicht, ich war nur in Gedanken.“ erklärte er und fuhr sich durch sein Haar.

 Aliera nickte, als sie ein undefinierbares Gefühl beschlich. Sie konnte es nicht genauer beschreiben, aber etwas fühlte sich schlichtweg nicht richtig an. Sie wollte zu einer Frage ansetzen, als sie im Augenwinkel gewahr, dass Meister Cheldran aus dem Archiv kam.

„Padawan, es geht los.“ erklärte Cheldran und winkte Aliera zu sich.

Als Aliera sich zu dem Jungen neben sich umdrehte, war dieser Verschwunden. Sie blinzelte irritiert und kam der Aufforderung ihres Meisters, der schon die ersten Schritte gen Tempelausgang lenkte, nach. Als sie zu ihm aufgeschlossen hatte, blickte sie ihn fragend an.

„Kennt ihr den Jedi, mit dem ich gerade gesprochen hatte?“

Cheldran hielt kurz inne und runzelte die Stirn.

„Welcher Jedi? Da war niemand, Aliera.“ 

„Hä, ich meine doch... Ich habe doch mit ihm gesprochen...“ murmelte sie irritiert.

Cheldran blickte sie an, während er sich wieder in Bewegung setzte.

„Vielleicht hast du nicht gemerkt, als er gegangen ist. Du bist ja mit deinen Gedanken gern überall, nur nicht dort, wo sie hingehören.“

Auch wenn ihr Meister schmunzelte, hörte sie den darin versteckten Tadel heraus.

„Ihr habt wohl Recht, Meister.“ antwortete sie und durchschritt mit diesem das Portal nach draussen.

 

Vor dem Tempel zuckte Aliera noch einmal für sich mit den Schultern, während Cheldran sie über einen Fußweg ein Stück vom Tempel führte. Unweit davon befand sich der Landesteg für die öffentlichen Gleiter. Als Cheldran und Aliera die Plattform erreichten, kam gerade ein Gleiter an. Cheldran schmunzelte und Aliera war sich sicher, dass er wie immer seine Zeiteinteilung so gesetzt hatte, dass sie nirgends warten mussten. Die beiden warten, bis die Leute, die aussteigen wollten, das Gefährt verlassen hatten. Dann stiegen sie ein. Während Cheldran wie immer einen Sitz in der Nähe das Fahrers wählte, bezog seine Padawan einen Sitz hinter ihm. Der Gleiter setzte sich in Bewegung und fügte sich nahtlos in den dichten Verkehrsfluss der Planetenstadt ein. Aliera blickte aus dem Fenster, um sich zu orientieren, doch erschwerten ihr die vielen hohen Gebäude und der dichte Verkehr die Orientierung erheblich. Sie fand Coruscant interessant, doch sie liebte die Natur und fühlte sich auf weniger dicht besiedelten Planeten meist wohler. Aliera spürte, dass ihre Aufmerksamkeit wieder abdriftete und atmete einmal tief durch. Cheldran stand nach einer knappen halben Stunde auf und nickte gen Aliera, die es ihm daraufhin gleichtat. Cheldrans Miene verriet nichts über dessen Pläne oder Gedanken, es war freundlich, beinahe schelmisch wie immer. Aliera mochte das. Es war, als wäre seine Stimmung unerschütterlich und sie nahm sich vor, es ihm gleichzutun.

 

Die beiden begaben sich zum hinteren Ausgang und warteten, bis der Gleiter in seiner Haltebucht abgesetzt hatte. Die Türen glitten auf und die beiden traten auf die Plattform. Aliera blickte sich um. Sie befanden sich inzwischen einige Eben unter der, auf der sich der Tempel befand. Die Häuserschluchten nach obenhin waren hoch. Über sich konnte Aliera mindestens zwei Verkehrsebenen erkennen. Aliera blickte wieder zu ihrem Meister, der sich nun ebenfalls umblickte, allerdings weniger auffällig als seine Padawan dies getan hatte. Er nickte in eine Richtung und marschierte mit weiten, aber bedächtigen Schritten los. Aliera musste etwas schneller gehen, um mit ihm Schritt zu halten. Sie hielten auf ein großes, an den Seiten von massiven Pfeilern gestützten Gebäude zu. Soweit Aliera erkennen konnte, befanden sich hier vornehmlich Arbeiterwohungen, etwas weiter oben kleinere Büros. Ihr Meister führte sie am Haupteingang vorbei zu einem Wartungsanbau. Dort wartete ein kleiner, gedrungener Mann auf die beiden. Er trug eine Hausmeisteruniform und wischte sich gerade mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn. Er nickte Cheldran und Aliera zu.

 

„Meister Cheldran, gut, dass ihr so schnell kommen konntet.“ erklärte der Mann.

Er wirkte unsicher und beinahe ängstlich. Aliera versuchte zu ergründen, woraus seine Stimmung resultierte, doch es schien nichts unmittelbares in ihrer Nähe zu sein.

„Natürlich, Kez. Ich weiß, dass du nur um Hilfe bittest, wenn es wirklich nötig ist.“ erwiderte Cheldran und klopfte seinem Freund auf die Schulter. Aliera kam nicht umhin zu staunen, wo ihr Meister überall Freunde hatte. Jeder schien ihn auch zu mögen, aber das verwunderte sie nicht, auch sie möchte ihn gerne.

„Dann zeig uns mal die Stelle, Kez.“

Aliera streckte sich etwas.

„Meister,... es wäre sicher hilfreich, wenn ich auch wüsste, worum es geht. Ich würde gerne die Augen offen halten.“ erklärte die Padawan.

Cheldran Rukhara wandte sich an sie und lächelte.

„Das weiß ich. Aber in diesem Fall möchte ich, dass du das tust, ohne etwas zu wissen. Denn so könntest du vielleicht Dinge entdecken, die ich nicht erkennen würde, weil ich sie Aufgrund meines Wissens von vornherein ausschließen würde.“ erklärte er ruhig.

Aliera seufzte innerlich. Er tat es wieder. Er bevorzugte verschiedene Wahrnehmungen, um Dinge zu Filtern und dann die Teile zu einem Ganzen zusammenzufassen. Gewiss war das eine kluge Vorgehensweise, dennoch konnte Aliera ihre Neugier nicht immer so bremsen, wie es der Situation angemessen gewesen wäre. Dennoch nickte sie und folgte Cheldran und Kez in das Gebäude.  Während Cheldran ruhig wie immer war, so wurde Kez mit jedem Schritt nervöser.

 

Die drei folgten einem längerem Gang, von dem mehrere Türen abgingen. Einige waren beschildert und dienten deutlich der Lagerung von Reinigungsuntensilien, Werkzeugen und derlei. Nach etwa sieben Türen blieben sie vor einer größeren stehen. Kez holte einen Magnetschlüssel hervor und öffnete die Tür zu einem Treppenhaus. Das Licht darin war schwächer und flackerte in unregelmäßigen Abständen. 

„Gibt es Probleme bei der Stromversorgung?“ wollte Aliera wissen und blickte Kez nachdenklich an.

Der Mann schüttelte den Kopf.

„Eben nicht. Davon abgesehen, dass er regelmäßig gewartet wird, kontrolliere ich ihn seit dem Auftreten der Stromschwankungen täglich einmal zusätzlich. Aber da ist nichts.“ Seine Stimme klang ratlos.

Kez zog wieder sein Tuch hervor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Cheldran nickte und begann, die Treppen hinab zu steigen, seine Padawan und Kez folgten ihm einen Augenblick danach. Aliera konzentrierte sich auf die Macht, doch in dieser konnte sie nichts auffälliges erkennen, abgesehen davon... Wieder hatte sie den Eindruck, dass etwas nicht 'Richtig' war, aber sie wusste nicht, was dies verursachte. Sie blieb kurz stehen und musterte eine er flackernden Lampen, ehe sie mit etwas eiligen Schritten die Treppen hinabstieg, um zu den beiden Männern aufzuschließen.

 

Als sie etwa zehn Stockwerke weiter unten waren, öffnete Kez eine weitere Türe. Der Raum war etwas größer und wurde das Zentrum von einem recht großen, wenn auch schon betagterem Generator in Anspruch genommen. An den Wänden außerhalb wechselten sich Wartungsluken und Kontrollgeräte ab, im Boden waren Verteiler und Kabel eingelassen. Die Deckenstrahler beleuchteten das Ganze mehr schlecht als recht, auch hier flackerten sie immer wieder mal. Cheldran begab sich von Kez gefolgt zur Haupttafel der Konsole, während Aliera erst einmal im Eingang stehen blieb. Sie fragte sich, warum Kez einen Jedi zur Hilfe gerufen hatte, ein Techniker wäre wohl eher angebracht gewesen. Sie rief sich ins Gedächtnis, dass sie nicht alle Informationen hatte und wartete erst einmal ab, was die Situation mit sich bringen würde. Cheldran schüttelte gen Kez den Kopf, was diesen den eigenen hängen ließ. Die beiden gingen zusammen die Kontrollgeräte ab.

„Ich kann hier nichts unnatürliches wahrnehmen, Kez. Das bedeutet zwar nicht, dass dem nicht so wäre, aber es ist recht unwarscheinlich.“ Der Jedimeister blickte einige Augenblicke im Raum umher.

Aliera kniete sich hinab und öffnete eine der Wartungsluken. Dahinter befand sich ein längerer, enger Schacht, dessen Ende im Dunkeln lag. An der Seite verliefen Kabel und in regelmäßigen Abständen waren Wartungsschaltkreise angebracht. Vermutlich verrichteten Droiden die Arbeit, denn ein Erwachsener Mensch passte kaum in den Schacht.

„Hmmm....“ machte die Padawan und ging in die Knie.

Sie blickte zurück zu Cheldran und Kez, die beiden waren auf der anderen Seite des Raumes in ein Gespräch vertieft. Sie blickte zurück zu der Luke und krabbelte kurzerhand einfach hinein. Ein kleiner Knoten bildete sich in ihrem Innerem, der Beengende Raum war nicht gerade angenehm. Als ihre Augen sich nach einigen Momenten an die Dunkelheit gewohnt hatten bewegte sie sich langsam aber stetig voran, bis sie kaum noch etwas erkennen konnte. Ihr dämmerte, dass es reichlich dämlich war, ohne Licht in einen dunklen Schacht zu klettern. Ihr Lichtschwert konnte sie ebenfalls nicht zünden, dafür war es viel zu eng. Dennoch krabbelte sie noch etwas voran, immerhin gaben die Dioden der Schalttafeln einen schwachen Schein ab, so konnte sie sich wenigstens orientieren. Die Stimmen ihres Meisters und Kez waren zu einem kaum verständlichen Gemurmel abgesunken.

 

Mit einem dumpfen Stoß rammte Aliera das Ende des Schachtes.

„Au, verflixt...“ entfuhr es ihr, während sie sich über die Stirnfront rieb.

Vorsichtig tastete sie umher, bis sie feststellte, dass der Schacht eine Linksbiegung machte. Sie krabbelte weiter und konnte nun vor sich etwas Leuchten sehen. Sie näherte sich vorsichtig und hielt mit etwas Abstand davor Inne. An einem der Kabel war neben den Schaltkreisen eine seltsame Vorrichtung angebracht. Es wirkte wie eine Art Datapad mit mehren Anschlüssen, die mit dem Wartungsschaltkreis verbunden war. Abgesehen davon, dass die Vorrichtung passiv wirkte, befand sich in dessen Zentrum ein kristallines Gebilde, dass Aliera an das Gefühl, dass etwas falsch war, erinnerte.

„Ich sollte meinem Meister davon berichten...“ murmelte sie.

Da der Platz nicht ausreichend war, um sich umzudrehen, begann sie damit, rückwärts zu krabbeln. Schon nach einem Meter stieß sie gegen ein Hindernis, dass eben noch nicht da gewesen war. Es fühlte sich weich an, dem Widerstand nach musste es etwas größeres sein. Sie versuchte ihren Kopf zu drehen, in der Hoffnung im Dunkel etwas erkennen zu können. 

„Tut mir Leid...“ murmelte eine leise Stimme.

Aliera konnte nicht mehr reagieren, als sie eine Bewegung gewahr und einen harten Schlag gegen die Schläfe abbekam. Sie kämpfte gegen den Verlust ihres Bewusstseins an, doch ihre Benommenheit nahm rapide zu. Sie nahm kaum noch war, wie sie in eine von ihr zuvor unbemerkte Abzweigung des Schachtes gezogen wurde.

 

Ein schwaches Summen holte Aliera aus der Stille der Bewusstlosigkeit. Sie blinzelte, doch sie konnte nichts sehen, ringsum war alles in Dunkelheit getaucht. Sie lag auf einer Art Decke. Mühsam richtete sie sich auf und suchte nach ihrem Lichtschwert, doch es war nicht mehr an seinem Platz. Die Padawan konzentrierte sich auf die Macht, doch sie konnte in ihrer unmittelbaren Umgebung nichts entdecken, was nicht unbedingt etwas bedeutete, da sie hin und wieder ihre Probleme damit hatte.

'Nun, eine gute Gelegenheit, sich weiter darin zu üben...' dachte sie bei sich und stand nun endgültig auf.

Ihre Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewohnt und sie konnte schwache, unklare Schemen erkennen. Sie befand sich in einer Art Kammer, wobei die Wände zum Teil aus sehr unterschiedlichen Materialien zu sein schienen, immer wieder erkannte sie undeutliche Unterbrechungen und Nähte. An eine der Wände schienen Bretter oder Bleche angelehnt zu sein, auf der anderen Seite befanden sich einige Kisten. Die Padawan ging mit vorsichtigen Schritten auf eine der Wände zu, um dann an ihr entlang den Raum einmal zu umrunden. Dabei berührte sie die Wände, um das Material auf Schwachstellen und dergleichen zu untersuchen. Irgendwo in der Ferne nahm sie ein elektrisches Summen war, gepaart mit etwas, dass wie Wassertropfen klang und definitiv nicht in ihrer Kammer war. Also musste es eine Lücke oder dünne Stelle, die sie zur Flucht nutzen konnte, geben. Eine der Platten an der Wand, die sie gerade befühlte, gab ein wenig nach, also drückte sie erst mit der Hand, dann mit ihrer Körperseite dagegen. Sie musste sich mehrmals dagegen werfen, bis die der Abschnitt endgültig nachgab und sie mit der Platte auf der anderen Seite auf den Boden krachte. Aliera hielt kurz inne, um zu hören, ob irgendetwas auf den Krach reagiert hatte, doch bis auf die ohnehin vorherrschenden Geräusche war nichts zu hören.

 

 Sie blickte sich aufmerksam um. Sie befand sich in einer kleinen Lagerhalle. Die elektrischen Geräusche stammten von den Deckenlampen, die fast durchgehend flackerten und die Umgebung gespenstisch wirken ließen. Den Ursprung des tröpfelnden Geräusches konnte das Mädchen nicht entdecken. Sie bewegte sich mit vorsichtigen Schritten vorwärts, um ihre nähere Umgebung nach Hinweisen auf ihren Aufenthaltsort und ihren Entführer zu untersuchen. Sie verspürte ein leichtes Unwohlsein, aber keine Angst, denn irgendwie war es auch interessant, denn sie musste sich auf einer ziemlich tief gelegenen Ebene von Coruscant befinden. So einen Ort betrat man nicht einfach für Sightseeing, kaum einer kam hier freiwillig hinab. Aliera betrachtete alles, dass sie erkennen konnte genauer. War etwas anderes, also barg es etwas Macht in sich, oder hatte die ein oder andere Signatur der Macht an sich, so fiel es ihr leicht, diese Dinge zu erkennen, so war es seit sie denken konnte. In der Nähe befand sich eine kleine Kiste, die ihre Aufmerksamkeit erregte. Darin musste sich etwas vertrautes befinden, warum sie es als solches empfand, konnte Aliera sich selbst nicht so genau erklären. Sie blieb vor der kleinen Kiste, die an einer Säule stand stehen und kniete sich hin. Darin befanden sich diverse Habseligkeiten aber auch Alieras Lichtschwert. Sie griff danach und untersuchte es, doch es war alles in Ordnung. Sie heftete es sich wieder an den Gürtel und fragte sich, weshalb es so einfach war, sich zu befreien und wieder an ihre Waffe zu kommen. Wieder hatte sie das Gefühl von 'Falsch' doch sie konnte es nicht genauer festlegen. Erst jetzt fiel ihr ihr Comgerät ein, doch es befand sich nicht in der Kiste. Irgendjemand wollte sie wohl außer Gefecht setzen, ohne ihr etwas antun zu wollen. Dennoch kam ihr das alles ein wenig seltsam vor, es war beinahe zu einfach gewesen, aus der kleinen Kammer zu kommen und ihr Lichtschwert zu finden.

 

Aliera zuckte mit den Schultern und blickte sich nach einem Ausgang um. Auf der einen Hallenseite konnte sie drei Türen im Schatten ausmachen, während die beiden Seitenwände keine Abgänge zu haben schienen. Überall lag Schrott und Blechteile herum, man konnte aber nicht erkennen, welchen Zweck die Halle einst gehabt haben mochte. Aliera wandte sich an die verbliebene Wand, die tatsächlich einen Ausgang zu beherbergen schien. Ein halb heruntergelassenes Rolltor, dessen einzelne Reihen stark verrostet und verbogen waren, befand sich an der linken Hälfte. Aliera ging vorsichtig, auf die Umgebung lauschend darauf zu. Von beiden Seiten schienen Metallplatten und Holzpfeiler daran gelehnt zu sein, vermutlich um die Öffnung möglichst zu verbergen, denn so wie es den Anschein hatte, war es nicht mehr möglich, das Rolltor nach oben oder unten zu bewegen. Die Padawan fand eine kleine Lücke und späte durch diese vorsichtig hinaus.

 

Vor ihr befand sich ein größerer Platz, der nur spärlich Beleuchtet war. Überall gab es sehr breite Stützpfeiler, selbst die meisten Gebäude hier schienen als Stütze zu dienen. Das diffuse Licht gab einen spärlichen Blick auf Metallschrott, Permabetonreste, Unrat und anderen Müll, die Luft roch abgestanden und sie hatte eine schwer definierbare Note. Aliera rümpfte die Nase und schaute sich nach einem Gebäude oder einem Aufzugpfeiler um. Sie musste einen Weg nach oben finden.

 

Ein raschelndes Geräusch ließ sie zusammenzucken, wie automatisch legte  sie ihre Hand auf das Lichtschwert. Irgendwo in der Ferne schien sich ein flatterndes Etwas fliegend fortzubewegen. Aliera hatte davon gehört, dass es in den unteren Ebenen wilde Tiere geben sollte, dieses hier schien sogar ein recht großes Exemplar gewesen zu sein. Vorsichtig ging sie weiter und achtete darauf, wohin sie trat. Der Boden war an vielen Stellen rissig, an einigen Stellen waren sogar Teile nach unten weggebrochen und im schwachen Licht war nicht jede so geartete Gefahr gut zu erkennen. Aliera hielt inne, als sie an einer Hauswand über sich etwas vertrautes gewahrte. Dort befand sich etwas, das schwach pulsierend Licht abgab. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und konzentrierte sich auf das Gebilde und erkannte eine starke Ähnlichkeit zu dem, welches sie im Wartungsschacht des Generatorraums entdeckt hatte. Auch überkam sie wieder dieses stechende Gefühl von 'Falsch'. Um das Gebilde herum hatte sich eine Art Geflecht gebildet. Wie feine Ranken wuchsen sie scheinbar ziellos an der Wand entlang und verschwanden im Dunkel. 

 

Grübelnd blickte sie das Gebilde an. Das Pulsieren verlieh ihm irgendwie etwas lebendiges.

„Ob es davon noch mehrere gibt?“ fragte sie sich murmelnd.

Phyar wäre nun eine große Hilfe gewesen. Ihr gefiederter Vogelfreund wäre ihr überall hin gefolgt, doch das war ihm nicht gestattet. Eigentlich hätte er nicht einmal hier auf Coruscant sein sollen, doch das Tier schien geradezu vernarrt in Aliera zu sein und so hatte man ihr gestattet, den Phoenixvogel auf Coruscant zu behalten, wenn er sich um sich selbst kümmerte und sie sich nicht von ihren Aufgaben abhalten ließe. In der Tat hatte er das ein oder andere Mal wenn auch ungewollt zum Erfolg von Missionen beigetragen. Aliera lächelte bei der Erinnerung. Doch nun war sie erst einmal auf sich gestellt, kein Meister, der sie anleiten konnte, kein tierischer Begleiter, der die Umgebung auskundschaften konnte. Es gab nur Aliera und die seltsamen, pulsierenden kristallinen Gebilde. Die Padawan beschloss, nach weiteren davon zu suchen und konzentrierte ihre Aufmerksamkeit darauf.

 

Sie entdeckte nach einigem Suchen eine ganze Reihe dieser Objekte, die alle über dieses Geflecht miteinander verbunden zu sein schienen, das Pulsieren war fast gleichmäßig, so als wäre alles Teil eines einzigen Systems. Bisher waren alle so angebracht, dass sie keines ohne Hilfsmittel hatte erreichen können. Nun stand sie vor einem tiefem Schacht. Die Padawan war den Spuren des Geflechts gefolgt. Bis auf das pulsierende Licht im Schacht war es in ihrer nähren Umgebung ziemlich finster. Sie hatte ihr Lichtschwert aktiviert, um ihre direkte Umgebung, speziell den Boden, besser erkennen zu können. Das vertraute Summen der Klinge hatte etwas beruhigendes, während sie die Falschheit und das schwache Brummen des pulsierenden Dings unter sich im Schacht nervös machte. Die vorherrschende Stille ringsum wurde immer wieder vom Knarzen instabiler Stützen unterbrochen, weitere nicht deutbare Geräusche komplettierten die gruselige Stimmung des Ortes.

 

Sie wollte sich gerade hinknien, um das das Gebilde aus der Nähe betrachten, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte. Sie zuckte zusammen, sie hatte nicht bemerkt, dass sich jemand genähert hatte. War sie so unvorsichtig oder die Person so versiert, sich zu tarnen? Sie wollte sich umdrehen, doch irgendwie konnte sie sich kaum bewegen, etwas schien sie einfach nicht zu lassen.

„Du hättest nach oben gehen sollen, nicht nach unten, Padawan.“ sprach eine leise Stimme, die etwas vertrautes, aber auch falsches an sich hatte.

Langsam war sich Aliera sicher, dass er für all dies verantwortlich war. Sie sammelte ihre Kraft und drehte sich zu ihm um. Schluckend erkannte sie, dass es der junge Jedi mit dem strubbeligem Haar aus dem Tempel war. Seine Nervosität war inzwischen verflogen. Aliera, die noch immer ihr Lichtschwert aktiviert in der Hand hielt, musterte den Jedi. Sein Blick war irgendwie leerer, seine Haut so blass, dass man seine Adern blau durchschimmern sehen konnte. Er wirkte ausgemergelt und sah anders aus, als sie ihn im Tempel gesehen hatte. Jetzt wurde ihr klar, was sich so falsch angefühlt hatte. Es war seine Aura, er hatte sie verborgen, sich verstellt, um nicht als das, was er war, erkannt zu werden.

„Du bist kein Jedi, nicht wahr?“ fragte Aliera, wagte es aber nicht, sich zu bewegen.

Ihr Gegenüber blickte sie einen Moment schweigend an. Dann verzogen sich seine Mundwinkel zu einem feinen Lächeln.

„Nein, bin ich nicht. Nicht mehr. Seit ich auf Thalvar die Kristalla entdeckt habe... sie sind unglaublich....!“

Seine Stimme war rauher und leiser als zuvor. Die Padawan blieb so ruhig sie konnte. Der falsche Jedi schien beinahe besessen von diesen Kristalla zu sein, seine matten Augen hatten beinahe geglänzt, als er von ihnen gesprochen hatte.

„Aber ich denke, du kannst dir gar nicht vorstellen, zu was sie in der Lage sind. Sie sammeln alle Arten von Energie und speichern diese. Und dann...“ Der Gefallene kicherte leise, ging einige Schritte zur Seite und hob die Hände.

„Und dann hole ich mir die Energie... „

„Sie zerstört dich.“ kommentierte Aliera seine Erklärung knapp.

„Sie erneuert mich.“ entgegnete er und blickt der Padawan fest in die Augen.

 

Aliera drehte sich um, sie stand mit dem Rücken zum Abgrund. Aus der Tiefe konnte sie das Pulsieren eher spüren als sehen, mit jedem Zyklus flackerte die Aura des jungen Mannes.

„Diese... Kristalla... sie haben dich an sich gebunden. Dich Anhängig von ihrer Energie gemacht. Sie benutzen dich dafür, sich auszubreiten. Ich habe sie Überall gesehen.“ Die Padawan sprach eine Vermutung aus, sicher war sie sich nicht.

Der junge Mann zögerte, ehe er wieder einen Schritt näher tat. Aliera blickte ihn an, unsicher, was er vor hatte.

„Ich denke, du willst das hier eigentlich gar nicht. Du hast mich nicht getötet, als ich sie entdeckt habe, und du hast mir die Chance gegeben, zu entkommen. Ich kann... Widerwillen in dir...“

Die Augen des Fremden flackerten kurz auf, so als wolle er der Padawan zustimmen. Seine Hände schossen hervor und packten sie wieder, seine Gesichtszüge nun vor Abscheu verzerrt.

„Nein! Du bist im weg!“ Schwungvoll stieß er die Padawan zurück.

Aliera verlor den Halt unter den Füßen und drohte in den Schacht zu stürzen. Sie  warf ihr Lichtschwert zur Seite und streckte die Arme geistesgegenwärtig aus und konnte sich gerade eben noch an der Kante festhalten. Die Klinge rollte nun deaktiviert etwas zur Seite. Die Wand war glitschig und voll von dem seltsamen Geflecht. Es schien, als würde alle Energie, die die Kristalle sammelten, über diese 'Leitungen' zu dem Kristall am Boden dieses Schachtes führen. Ein vertrautes Zischen holte Aliera aus ihren Gedanken. Sie spürte, dass sie langsam Halt verlor, während der gefallene Jedi über ihr sein gezündetes Lichtschwert nun zu einem Schlag ausholen ließ. Die Padawan konzentrierte sich auf die Macht, ließ die Kante los und zog im Fallen die Beine an, um sich mit diesen dann von der Schachtwand abzustoßen. Mit einem Rückwärtssalto, wie sie ihn auch im Ataru-Training gelernt hatte, kam sie auf der anderen Seite der Kante des Schachtes auf ihren Füßen auf. Der Schlag des gefallenen hatte sie nur knapp verfehlt und sie musste einen Augenblick um ihr Gleichgewicht kämpfen, ehe sie ebenfalls ihr Lichtschwert, dass sie mit Hilfe der Macht zu sich gerufen hatte, zündete.

 

Doch ihre Gedanken waren nicht bei einem Kampf, sondern bei der Lösung des Problems. Diese Kristalla waren der Ursprung des Problems. Sie war sich nicht sicher, ob man hier von einer Lebensform sprechen konnte, dennoch wollte sie den Einfluss jener kappen. Der junge Mann umging den Schacht, um sich ihr zu nähern. Sein Gesicht war vor Zorn entstellt, nichts deutete mehr darauf hin, sie verschonen zu wollen. Die Padawan setzte sich ebenfalls in Bewegung, um ihn auf Abstand zu halten. Die Kristalla gaben ihm nach seinen Aussagen Energie, also musste Aliera irgendwie sicherstellen, dass diese Quelle versiegte. An die Kristalla selbst kam sie aktuell nicht heran, doch dann fiel ihr Blick wieder auf das Geflecht. Sie holte mit ihrem Lichtschwert aus. Das kühle Blau der Klinge näherte sich einer der Ranken, doch die gelbe Klinge des gefallenen blockte ihren Schlag. Aliera keuchte auf, sie hatte nicht einmal Ansatzweise erahnt, dass er über den Schacht gesprungen war. Mit wilder Kraft drückte er Alieras Klinge zurück, bereit alles zu tun, um sie davon abzuhalten, die Ranken zu durchtrennen. Dies zeigte der Padawan allerdings, dass sie auf dem richtigem Weg war.

 

Aliera drehte ihren Oberkörper etwas, durch das anheben ihrer Arme ließ sie die Klinge des Mannes nach unten abgleiten. Geschwind drehte sie sich weg und brachte sich mit einem Salto in die Nähe seiner linken Flanke. Zu sehr auf seine wilden Schläge bedacht, gingen diese zuerst ins Leere, während Aliera schon zu einem Schlag ansetzte, der darauf abzielte, ihn zu entwaffnen. Er drehte seinen Kopf etwas und blickte sie eisig an, während er seinen Griff verstärkte. Die Padawan sprang zurück und nach zwei weiteren erfolglosen Versuchen, ihr Gegenüber abzudrängen, nutzte sie einen ihrer Schläge dazu, die erste der Ranken aus dem Geflecht abzuschlagen. Das Chaos in der Macht verstärkte sich, als der gefallene wütend aufschrie. Verunsichert zog Aliera sich ein paar Schritte zurück, als er sich auch schon erholt hatte und blitzschnell auf sie zusprang. Gerade noch rechtzeitig hatte sie ihre Klinge anheben und seinen Schlag blocken können. Die Wucht des Schlages trieb sie weiter zurück und lies sie über eine weitere Ranke stolpern. Im fallen durchtrennte sie auch diese. Der Schlag, denn ihr Feind auf sie angesetzt hatte, stoppte kurz vor ihrem Gesicht, als dieser wie getroffen zurück zuckte. Die Luft knisterte wie vor Spannung und Aliera spürte den kalten Schweiß auf ihrer Stirn. Sie gab sich einen Ruck und rappelte sich wieder auf, denn der gefallene hatte sich wieder gefangen, obgleich er inzwischen geschwächt wirkte. Mit wirbelnder Klinge kam er wieder auf sie zu, doch seine Schläge waren unpräzise. Während die Padawan sich der Angriffe erwehrte, lenkte sie den Kampf wieder in die Nähe der Ranken, die in den Schacht führten. Mit einem Sprung brachte sie sich direkt zu weiteren Ranken und durchtrennte gleich zwei von ihnen, ehe sie wieder einen Schlag parieren musste. Der junge Mann wirkte inzwischen, als wäre er betrunken. Taumelnd blieb er stehen und blickte Aliera mit verwirrten, blutunterlaufenen Augen an. Er wirkte auf einmal unglaublich müde und erschöpft, sein Wille zu kämpfen und sein Zorn waren Resignation gewichen. Aliera blickte aus dem Augenwinkeln zum Schacht, es waren nur noch zwei dickere und ein paar dünnere Verbindungen des Geflechts übrig. Der gefallene machte einen Schritt nach vorne, ging aber in die Knie. Die Padawan nutzte die Gelegenheit und durchtrennte auch die letzten Ranken. Alle Kristalle, die sie im näheren Umfeld erkennen konnte, verdunkelten sich und das Pulsieren erstarb. Aliera deaktivierte ihr Lichtschwert und hakte es wieder am Gürtel fest, ehe sie sich dem gefallenem näherte.

 

„Wie geht es dir?“ fragte sie vorsichtig, während sie sich hinkniete, um ihn in die Augen zu sehen.

Das Gefühl, dass etwas 'falsch' war, war nun sehr schwach geworden und nur noch unten im Schacht zu spüren.

„Leere...“ antwortete er mit schwacher, heiserer Stimme.

„Es wird dir bald besser gehen. Ich werde dich zu den Jedi Heilern bringen. Sie können dir helfen.“

Aliera sprach mit ruhiger, freundlicher Stimme, als der Mann den Kopf schüttelte. Sie machte ihm keinen Vorwurf, er war der Verlockung, die ihm diese Kristalla geboten hatten, erlegen. Sie blickte sich kurz um, sie musste die Umgebung im Kopf behalten. Sie wollte Meister Rukhara davon berichten, denn diese Kristalla mussten untersucht werden. Tief im Schacht befand sich der Urpsprung, mit ihren aktuellen Mitteln kam sie allerdings nicht dran,

„Wie ist dein Name?“

Aliera blickte ihn mit einem sachtem Lächeln an, wollte ihm Hoffnung bieten.

„Zaine Kahir...“

Seine Stimme war mitlerweile kaum noch ein Flüstern. Aliera stand auf und ging an seine Seite, um seinen Arm um ihre Schultern zu legen.

„Ich bringe dich nach oben zu meinem Meister. Wir werden dir helfen.“ erklärte sie freundlich aber bestimmt.

Zaine wehrte sich nicht gegen Aliera, aber sie spürte seinen Wiederwillen. Langsam stemmte sie sich auf die Beine und half ihm aufzustehen, schwach und wackelig stand er neben ihr. Langsam entfernten sie sich von dem Schacht, dessen Geheimnis  den jungen Mann so zerstört hatte. Aliera geleitete den jungen Mann zurück zu der Lagerhalle, in der sie aufgewacht war. Er hing schwer an ihren Schultern und als sie angekommen waren, sackte er in sich zusammen. Schwitzend half sie ihm, eine möglichst angenehme Sitzposition einzunehmen.

„Ich werde mich beeilen und Hilfe holen. Ruh dich solange aus, ich hoffe, dass es nicht lange dauern wird.“ erklärte sie und deckte ihn mit einer verschlissenen Decke, die sie in einer Nahen Kiste gefunden hatte, zu. Sie begab sich zu der Stelle, an dem sie die Halle betreten hatte und blickte noch einmal zurück. Zaine schien eingeschlafen zu sein, seine im Schatten liegenden Züge waren kaum zu erkennen. Sie wandte sich ab und schlüpfte nach draussen.

 

Es dauerte eine ganze Weile, bis Aliera ein intaktes Treppenhaus gefunden hatte. Die Aufzüge in den unteren Ebenen waren entweder zerstört oder waren dermaßen beschädigt, dass eine Benutzung jener grob Fahrlässig gewesen wäre. Erschöpft machte sie nach vielen Stockwerken einen Halt. Sie stemmte ihre Handflächen auf die Knie und versuchte kontrollierter zu Atmen. Als sie wieder etwas ruhiger war, blickte sie sich um. Die angelaufene Lampe, die ihr auf dieser Ebene Licht spendete, flackerte nicht. An den Wänden waren keine Markierungen, aber eine Wartungstür. Sie trat durch diese, zu ihrem Glück unverschlossene Tür, und fand sich in einem Lagerraum wieder. Dieser hatte ein Fenster, durch das spärliches Licht einfiel und eine weitere Tür, die nach drauß0en zu führen schien. Die Padawan trat an das Fenster und blickte hinaus. Auf dieser Ebene flogen Luftgleiter und es waren Vertreter verschiedenster Spezies auf den etwas heruntergekommenen Wegen unterwegs. Sie wandte sich an die Tür und drückte sie mit einigem Kraftaufwand auf.

 

Endlich an der halbwegs frischen Luft, blickte das Mädchen nach oben. Sie war noch immer ziemlich tief, aber hoch genug, um mit ihrem Meister Kontakt aufnehmen zu können. Zuerst ging sie den Fußweg entlang, verfiel dann aber in einen Laufschritt, denn sie durfte nicht vergessen, dass Zaine Kahir auf sich alleine gestellt in der Halle tief unten lag. Niemand konnte genau sagen, wer sich da unten herumtrieb oder ob er wieder die Kraft finden würde, zu den Kristalla, die tief unten im Schacht lagen, zu kriechen. Aliera bremste ab, als sie eine öffentliche Kommunikationssäule erblickte. Genau das, was sie gesucht hatte. Sie kramte nach dem Creditstick, der mit einem kleinen Budget für Notfälle aufgeladen war, und schob ihn in den Zahlslot. Ungeduldig wählte sie die Comfrequenz ihres Meisters und wartete, bis er sich meldete.

„Meister Rukhara hier. Mit wem habe ich die Ehre?“ wollte er mit ruhiger Stimme wissen.

Aliera besann sich darauf, dass diese Säule nur Audio übertrug und begann zu sprechen.

„Meister Rukhara, ich bin es, Aliera.“ Die Padawan musste fast schreien, als mehrere Lastgleiter ihre Position recht nahe passierten.

„Ich habe mir Sorgen gemacht, wo bist du denn?“ wollte er wissen, auch wenn seine Stimme neutral und unbesorgt wirkte.

„Ich habe etwas seltsames Entdeckt und bin der Spur gefolgt, als mich ein junger Mann... jener, den ich im Tempel wirklich gesehen habe, in die Tiefen von Cursucant verschleppt hatte. Diese Kristalle.... er nannte sie Kristalla, sind über eine Art Geflecht miteinander verbunden und haben den Generatoren und anderen Energiequellen Energie abgezogen und ihm einen Teil davon umgewandelt wiedergegeben. Er war ganz besessen davon... Ich habe den Ursprungskristalla in einem Schacht gefunden, und die Verbindungen gekappt. Zaine Kahir geht es nicht so gut, er ist zusammengebrochen, als ich das gemacht habe. Aber der Einfluss... ist nun schwächer. Ich brauche eure Hilfe, ihn zu holen, Meister.“

Cheldran hörte seiner Padawan zu, während diese beinahe ohne Luft zu holen, berichtete.

„Nun, diese Kristalla wie du sie nennst waren wohl wirklich der Ursprung der Energieprobleme, jetzt funktioniert alles wieder normal.“ warf der Jedi ein, als Aliera eine Pause einlegte. 

„Was den jungen Mann angeht, holen wir ihn natürlich heraus. Wir müssen mehr erfahren. Ist dieser Quellkristalla noch aktiv, Aliera?“

Die Padawan überlegte einen Augenblick.

„Aktiv ja, aber von den kleineren getrennt. Aber ich weiß natürlich nicht, ob dieses Geflecht von alleine nachwachsen kann. Ich kam nicht an diesen Quellkristalla dran.“

Cheldran nickte.

„Ich werde ein Team beordern, dass sich um diesen kümmert. Ich komme zu dir, wir holen Zaine ab.“

Einige Augenblicke passierte nichts, scheinbar lud er sich die Koordinaten von Alieras Comsäule.

„Bleib wo du bist, ich bin bald da. Rukhara Ende.“

 

Aliera deaktivierte die Verbindung ebenfalls und zog ihren Creditstick heraus. Sie schaute sich etwas suchend um, entdeckte dann eine Bank, auf der sie sich erschöpft niederließ. Ihr Magen begann zu grummeln und sie zog sich die Beine hoch, um die Arme darum zu legen. Mittlerweile war sie eine ordentliche Zeit wach und auf den Beinen. Wäre sie in einem Urwald oder in der Natur, würde es dem Mädchen weniger stören, doch in der urbanen Umgebung wie sie Coruscant bot, fühlte sie sich selten wohl. Meister Rukhara würde aber sicher bald erscheinen und mit ihr Zaine holen gehen. Lächelnd schloss sie ihre Augen und gönnte sich ein paar Minuten Entspannung.

 

Ein Tippen auf ihre Schulter ließ die Padwan aufschrecken. Etwas groggy blickte sie ihren Meister, der nun vor ihr stand an und war schlagartig wach. Sie sprang von der Bank auf.

„Meister!“ rief sie, während sie versuchte, die Erschöpfung fort zu blinzeln.

Cheldran lächelte, hinter ihm befanden sich zwei weitere Jedi. Aliera kannte sie vom Sehen, es waren der Heiler Sinvar Theya und die Jediforscherin Anyara Ravi. Aliera lächelte die beiden freundlich an und verneigte sich zur Begrüßung höflich.

„Ich Grüße euch, Ritter Theya und Ritterin Ravi.“

„Wir grüßen dich auch, Padawan Eryada.“ Die beiden antworteten gleichzeitig, was Aliera lächeln ließ. Sie hatte schon davon gehört, dass dies bei den Beiden öfter vorkam.

„Verlieren wir besser keine Zeit.“ erklärte Cheldran dann und bedeutete Aliera, ihnen den Weg zu weisen.

Aliera nickte und eilte voraus, inzwischen war sie wieder wacher. Aliera gelang es, den Weg ohne größere Probleme wieder zu finden. Allerdings wurde sie zwischendurch immer wieder etwas langsamer, weil sie nur bedingt erholt war. Sie spürte, wie Sinvar ihr über die Macht unterstützende Kraft sandte und lächelte diesen dankbar zu. Seine Hilfe erleichterten den Abstieg ungemein und bald hatten sie die tiefe Ebene, an dem sich das alte Lagerhaus befand, erreicht.

„Da drin befindet sich Zaine Kahir.“ erklärte Aliera.

Sinvar nickte verstehend und kletterte durch die Toröffnung, während Aliera, ihr Meister und Anyara schon weiter eilten. Unterwegs zeigte Aliera ihnen die an den Wänden verwachsenen Kristalla, die nun inaktiv und lichtlos waren. Anyara schnitt sich ein Exemplar heraus und zerstörte die anderen, an denen sie vorbeikamen mit einem kleinem Spezialultraschallgerät, um eine weitere mögliche Gefahr ausschließen zu können. Meister Ruhkhara blieb kurz stehen, als sein Com knackte, aber die Verbindung war zu schlecht, als das man etwas verstehen könnte. Seufzend steckte er es weg und lenkte seine Aufmerksamkeit zu Aliera und Anyara, die nun vor dem Schacht, von dem Aliera berichtet hatte, stehen geblieben waren. Anyara war in die Knie gegangen und schien sich auf die Macht zu konzentrieren. Cheldran stellte sich neben sie, während Aliera um den Schacht herum ging, um noch einmal zu kontrollieren, ob keine weiteren Verbindungen übrig oder gar neu entstanden waren.

 

....